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Zuletzt aktualisiert: 05.09.2011 um 21:35 UhrKommentare

Zwist um die Kosten der Staustufe

SPÖ-Geschäftsführer Günther Kräuter erneuert Forderung nach Rechnungshofprüfung des Murkraftwerks. "Unsere Türen stehen offen", heißt es bei der Estag. Das Projekt sei wirtschaftlich.

Foto © Eder

Bislang waren es vornehmlich die ökologischen Folgen des Projekts, die den Gegnern des geplanten Grazer Murkraftwerks als Munition dienten. Jetzt nehmen sie auch die wirtschaftlichen Aspekte der Staustufe aufs Korn. Den Anstoß dazu gab in der Vorwoche SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter mit seiner Forderung, das Kraftwerk vom Rechnungshof auf seine Wirtschaftlichkeit prüfen zu lassen (wir berichteten). Gestern legte er in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Kraftwerkgegnern nach.

"Ich will einfach, dass das Geld gut eingesetzt wird. Da muss man auch über mögliche günstigere Alternativen zum Wasserkraftwerk nachdenken", so der gebürtige Steirer. Dass er mit seiner Kritik am Projekt in der eigenen Partei ziemlich isoliert dasteht, stört ihn nicht. Schließlich sei die SPÖ bei Kraftwerksprojekten schon öfters "daneben gelegen", etwa in Hainburg oder in Zwentendorf. Kräuter, auch Präsident der generell wasserkraftkritischen Arbeiterfischer, bleibt dabei: "Das Murkraftwerk scheint immer teurer zu werden." Wie schon bei der Grazer Messe vor zehn Jahren wolle er nun auch hier eine Prüfung durch den Bundesrechnungshof anregen.

Energie Steiermark-Vorstand Oswin Kois reagiert auf den Vorstoß demonstrativ gelassen. "Unsere Türen stehen offen. Von mir aus kann der Rechnungshof schon morgen kommen." Allerdings scheine Kräuter nicht ganz verstanden zu haben, warum es ein "übergeordnetes Interesse" beim Wasserkraftausbau gebe.

Abgewälzte Maßnahmen?

Vor einer Kostenexplosion rund um das Projekt warnt auch die Plattform "Rettet die Mur". Viele der Begleitmaßnahmen, die die Energie Steiermark bislang beworben habe, würden nun in den Unterlangen zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nicht aufscheinen: etwa die versprochene Welle für die Surfer oder die Umsiedelung einiger Heimgärtner am Grünanger. "Entweder will die Energie Steiermark diese Maßnahmen gar nicht umsetzen, oder sie werden auf die Stadt abgewälzt", sagt Sprecher Clemens Könczöl. "Jedenfalls treibt das alles die Kosten nach oben."

Bei der Energie Steiermark schüttelt man den Kopf. "In den UVP-Unterlagen scheinen nur jene Maßnahmen auf, die ein direkter Bestandteil des Projekts sind", sagt Sprecher Urs Harnik. "Selbstverständlich halten wir unsere Zusagen für die Murwelle und auch für das neue Heimgärtner-Grundstück. Dabei geht es außerdem nur um relativ kleine Beträge."

Ein ungleich größerer Brocken wird der parallel zum Kraftwerk geplante Hauptsammelkanal für die Grazer Abwässer. Nach Schätzungen soll er rund 60 Millionen Euro kosten. Einen Teil wird die Energie Steiermark zahlen - wie viel genau ist allerdings noch unbekannt. Für das Kraftwerk selbst wäre der Kanal in dieser Form nicht nötig, heißt es bei der Stadt. Graz plant ohnehin seit Jahren an einem solchen System. Jetzt will man die Synergien mit dem Kraftwerksbau nutzen.

GÜNTER PILCH

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