Nach Bankraub in Graz wurde ganze Serie geklärt
Die größte Bankraubserie der österreichischen Kriminalgeschichte ist geklärt: Mazedonier verübten 26 Banküberfälle. Die Millionenbeute wurde in Spielsalons, Bordellen und im Drogenmilieu umgesetzt.

Foto © PolizeiAuch eine Bank in der Annenstraße wurde überfallen
Die beiden saßen schon auf der Schulbank nebeneinander. Nuri N. (32) und Vulnet H. (33) waren dicke Freunde. Gemeinsam kamen sie nach Österreich. Gemeinsam beschlossen sie Banken auszurauben. Zwischen dem 1. September. 2004 und dem 31. Jänner 2011 brachten es die Mazedonier auf insgesamt 26 Überfälle, 24 in Wien, je einen in Wiener Neudorf und Graz. 15 Mal schlugen sie gemeinsam zu. Neun Mal war Vulnet H. allein bei seinen Überfällen. Ein Coup in Wien und der Banküberfall in Graz wurde von Nuri N. verübt. Zu dem Zeitpunkt saß sein Freund und Komplize bereits in Haft. Dass diese größte Bankraubserie in der österreichischen Kriminalgeschichte geklärt werden konnte, ist nicht zuletzt den steirischen Raubermittlern zu verdanken. 31. Jänner 2011, kurz acht Uhr: Mit Haube, Kapuze und Sonnenbrille "maskiert" und einer geladenen Pistole in der Hand, raubte ein zunächst unbekannter Täter die Sparkassenfiliale in der Annenstraße aus und flüchtete.
Erster Hinweis
Wenige Tage nach der Tat meldeten sich im Landeskriminalamt Steiermark Wiener Drogenermittler. Sie hätten einen Hinweis, dass Mazedonier in Graz eine Straftat verübt haben sollen. Um welches Verbrechen es sich handelte, war nicht klar. Als dann die Wiener Raubermittler auf den steirischen Fahndungsfotos (N. war beim Betreten der Bank in Graz gefilmt worden) Nuri N. zu erkennen glaubten, wurde es für den Mazedonier immer enger. Jetzt war auch klar, welches Verbrechen gemeint war. Ermittlungsleiter Wolfgang Ofner, Raubgruppe im LKA Steiermark: "Wir haben bei unseren Recherchen in Erfahrung bringen können, dass N. zum fraglichen Zeitpunkt tatsächlich in Graz war und dass er sich nach dem Bankraub nach Berlin abgesetzt hat." Durch intensive Nachforschungen konnten die Steirer sogar den genaueren Aufenthaltsort des Gesuchten in Erfahrung bringen, eine U-Bahn-Station in Berlin. Dort hielt sich der Mazedonier, der offiziell nirgends gemeldet war, vorwiegend auf. "Wir haben die deutschen Kollegen informiert", erzählt Ofner. "Bereits eine Woche nach dem Überfall in Graz konnte der Verdächtige festgenommen werden." Bei der Verhaftung trug er einen gefälschten Ausweis und 1600 Euro Bargeld bei sich. Nachdem in Deutschland gegen ihn ein Verfahren wegen eines Blitzeinbruches beendet worden war, wurde er jetzt nach Österreich ausgeliefert.
Schuss auf Verfolger
Vulnet H. hingegen sitzt bereits seit Juni 2009 in Haft. Er wurde in Wien nach einem Überfall, den er mit Nuri N. begangen hatte, festgenommen und zu neuen Jahren Haft verurteilt. Damals gab er drei Überfälle zu. Als die Kripo ihn mit der Verhaftung seines Komplizen in Deutschland konfrontierte, legte er ein umfassendes Geständnis ab. Gegen die beiden läuft auch ein Verfahren wegen versuchten Mordes. Sie haben nämlich auf einen Radfahrer geschossen, der sie nach einem Bankraub in der Mariahilferstrasse in Wien (20. September 2006) verfolgt hatte. Getroffen wurde der Mann zum Glück nicht. Ihre Millionenbeute setzten die Serienbankräuber in diversen Bordellen und Spielsalons um. Aber auch Drogen wurden mit dem Geld gekauft. Übrigens: Nach zwei Mazedoniern, die den Tatort in der Grazer Annenstraße ausgekundschaftet hatten, wird noch gefahndet.

















