Südoststeiermark "fiebert": Temperaturen gehen nach oben
Die Südoststeiermark erlebt schon seit Jahrzehnten eine Erwärmung, die dreimal so stark ausfällt wie im globalen Mittel. Das ergab eine Analyse des Wegener Zentrums in Graz. Niederschläge weisen negative Tendenz auf.

Foto © APA/SujetDie Südoststeiermark erlebt schon seit Jahrzehnten eine Erwärmung
Seit rund fünf Jahren messen in der südoststeirischen Region Feldbach (Steiermark/Österreich) rund 150 Klimastationen des an der Uni Graz angesiedelten Wegener Zentrums die Wetter- und Klimaentwicklung der Region mit neuartiger Genauigkeit, um zukünftige Berechnungen für den Klimawandel zu verbessern. Eine neue Publikation des Zentrums zeigt nun, dass die Südoststeiermark schon seit Jahrzehnten eine Erwärmung erlebt, die dreimal so stark ausfällt wie im globalen Mittel.
Erwärmung
"Die jetzige Hitzeperiode ist eine kurzlebige Wetterschwankung, die die zweite Augusthälfte außergewöhnlich warm macht. Im Juli war es dagegen z. B. heuer ja überdurchschnittlich kühl, was eine weitere episodische Wetterperiode war", hielt der Leiter des Grazer Wegener Zentrums, Gottfried Kirchengast, im Gespräch mit der APA fest. Die aktuelle Hitzeperiode dürfe also nicht mit der globalen Klimaerwärmung verwechselt oder gar gleichgesetzt werden.
Gästeplus im kalten Juli
Die Steirer tanzen heuer wieder positiv aus der Reihe, was die Tourismuszahlen betrifft. Obwohl der Juli alles andere als sommerlich verlief, kamen um 4,8 Prozent mehr Gäste in die Steiermark, die Zahl der Nächtigungen stieg um 2,8 Prozent. Bundesweit gab's im Juli einen Nächtigungs-Rückgang um 0,7 Prozent. "Durch Großveranstaltungen in Graz und Murtal und durch das Wellness- und Weinangebot konnten wir das trübe Wetter glücklicherweise überkompensieren", so der für Tourismus zuständige LH-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer. Während die Thermenbetriebe zweistellige Zuwachszahlen verzeichneten, hatten im Juli Freibäder, Hütten und Gastgartenwirtschaft zu leiden. Ein Teil dieser Ausfälle dürfte aber durch die aktuelle Hitzewelle kompensiert werden.
Die neue Publikation des Wegener Zentrums analysierte jedoch die langfristige Entwicklung: Derzufolge ist die Südoststeiermark ein "Hot Spot" der Klimaerwärmung. Zu diesem Schluss kamen Thomas Kabas, Ulrich Foelsche und Gottfried Kirchengast, als sie Temperatur- und Niederschlagstrends in der Region Südoststeiermark seit 1951 untersuchten. Die Ergebnisse wurden jüngst in der internationalen Fachpublikation "Meteorologische Zeitschrift" publiziert.
"Es zeigte sich, dass die Südoststeiermark in den vergangenen Jahrzehnten gerade im Sommer einen Langfristtrend bei der Erwärmung erlebt, die etwa dreimal so hoch ist wie die weltweit ermittelte globale Erwärmung", so Kirchengast. "Mit starkem Temperaturanstieg insbesondere seit den 1970ern - rund 2,5 Grad Celsius bereits bis 2007", so der Experte. Die Niederschläge weisen im Sommer wie im Winter eine negative Tendenz auf. Dass die Temperaturen in der Region zugenommen haben, die Dürreneigung gestiegen und die Niederschlagsmenge tendenziell abgenommen hat, sei "nichts, was man sich nicht erwartet hätte. Bisher wurde jedoch noch keine derartig sorgfältige Analyse mit qualitätsgeprüften Langfristdaten erstellt, "die das Ausmaß der Klimaänderung klar in Zahlen gießt", so der Klimaexperte.
Der ganze südeuropäische Mittelmeerraum sei bekanntlich ein Brennpunkt der globalen Erwärmung. Die genaue Studie für die Südoststeiermark zeige nun, dass dieser bis unmittelbar ins Alpenvorland reicht. "Diese langfristige Entwicklung ist es, die uns zu intensiveren Bemühungen bei Klimaschutz und Klimawandel-Anpassung antreiben muss. Die jetzige Hitzeperiode kann uns daran erinnern", resümierte Kirchengast. Hitzeperioden, auch länger als die jetzige, würden durch diese Trends von Jahr zu Jahr "immer wahrscheinlicher".
Features
Tourismusbilanz
+4,1% mehr Gäste urlaubten in der ersten Sommerhälfte (Mai bis Juli) in der Steiermark. Dabei kamen 593.100 Gäste (plus 1,9 Prozent) aus Österreich, 290.900 (plus 8,8 Prozent) aus dem Ausland.
+4,8% mehr Gäste (exakt 352.600) verzeichnete die Steiermark im Juli im Vergleich zum Rekordjuli 2010. Die Gäste blieben aber kürzer, die Übernachtungen stiegen "nur“ um 2,8 Prozent.
133.700 Gäste aus dem Ausland besuchten allein im Juli die Steiermark, das waren um 10,4 Prozent mehr als im Juli 2010. Das Plus resultiert aus Groß-Events wie Chorweltmeisterschaft und Air Power.
2,801.700 Übernachtungen verzeichnete die Steiermark zwischen Mai und Juli. Das ist ein Plus von 2,7 Prozent gegenüber dem Rekordsommer 2010. Jede dritte Nächtigung entfiel bereits auf 5- und 4-Stern-Hotels.
















