Grazer Gärten sind zu steril
Biologen warnen vor übereifrigem "Gartln": Zu viel Gartenarbeit kann kontraproduktiv sein und die tierische und pflanzliche Artenvielfalt zerstören.

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In den meisten Gärten in Graz und Graz-Umgebung wird zurzeit fleißig gearbeitet und häufig gemäht, für manche jedoch zu häufig. Die Rede ist von Insekten und anderen kleinen, nützlichen Gartenbewohnern, die Schädlinge fernhalten. In solch "sauberen" Gärten ist es schwer, die Vielfalt zu erhalten. Die übrig gebliebenen Gras- und Holzschnitte werden nicht mehr auf einem Haufen kompostiert, sondern in die Biotonne entsorgt.
Das führt allerdings dazu, dass es an Nahrungsangebot und Nistplätzen für diverse Insektenarten fehlt. Auch Johannes Gepp vom Naturschutzbund Steiermark bestätigt, dass "durch zu große Mähflächen die Artenvielfalt zerstört wird" (siehe Interview rechts).
Artenvielfalt erhalten
Das Grazer Odilien-Institut setzt auf Diversität und Vielfalt. In der Ökologie Werkstätte säen, pikieren und topfen seh- und mehrfach behinderte Menschen Pflanzen für den Verkauf und Gemüse für den Eigenbedarf. Dabei wird vor allem darauf geachtet, in Vergessenheit geratene Pflanzen, Blumen, Gräser und Gemüsesorten wieder zu entdecken. Denn anders als gezüchtete Pflanzen und Balkonblumen besitzen Wildpflanzen noch Nektar für Insekten, die wiederum wichtig für das ökologische Gleichgewicht sind.
"Unser Anliegen ist, ein Bewusstsein zu schaffen für die Zusammenhänge in der Natur, insbesondere über das Verhältnis Schädlinge - Nützlinge aufzuklären. Ist das Gleichgewicht gegeben, braucht es keine Insektizide", erklärt Paula Stipacek, Biologin in der Ökologie Werkstätte im Odilien-Institut.
Um dem Mangel an Nistplätzen vorzubeugen, setzt das Odilien-Institut auf sogenannte "Insektenhotels". Die von Menschen mit Seh- und Mehrfachbehinderung selbst gebauten, unterschiedlich großen Nistkästen werden in Kooperation mit dem Naturschutzbund Steiermark im Laden des Instituts verkauft. Außerdem können auch die Pflanzen - ähnlich wie in einer Gärtnerei - erworben werden.
Gartenarbeit beruhigt
Die Ökologie Werkstätte ist eine von vielen Werkstätten des Odilien-Instituts. Durch die Arbeit mit, in und für die Natur werden die positiven Auswirkungen auf den Menschen genutzt. "Der Kontakt mit Pflanzen wirkt auf unsere Klienten beruhigend. Die Arbeit im Garten lässt sie die Wirkung des eigenen Handelns spüren und fördert Selbstwertgefühl und Autonomie", sagt Stipacek. Menschen mit Behinderung würden damit von Betreuten zu Betreuern werden.
Auch für Johannes Gepp steht fest, dass es notwendig ist, das Image der Bio- und vor allem das der Öko-Gärten zu fördern und nicht immer auf die Nachbarn zu hören, wenn sie wieder einmal hinter der Hecke tuscheln und bemängeln: "Aber der Rasen könnte schon mal wieder gemäht werden . . ."
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Kommentar
Ökologie Werkstätte
Die Ökologie Werkstätte ist eine von vielen Werkstätten des Odilien-Instituts in Graz. Dort werden im Schaugarten diverse Pflanzen, Blumen und Gemüsesorten gesät, pikiert und eingetopft. Diese können im Laden des Odilien-Instituts gekauft werden.
Der Schaugarten sowie das Gelände sind täglich von 8 bis 18 Uhr zugänglich.
















