La Strada: Körper, die köpfeln
Graz lässt mit sich spielen: La Strada bezirzt, umgarnt und irritiert eine Stadt. Mit Klängen und Körpern.
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Samstagvormittag, Shoppingcenter Murpark. Oben in den Geschäften erspähen Profis Neuzugänge auf den Kleiderstangen binnen Sekunden. Kinder quengeln, Kassen klingeln.
Unten an der Bimstation startet eine andere Mission: Menschen in bunten Jogginghosen und Kapuzenpullis rennen los. In der Parkgarage köpfeln sie in Parkbehälter, quetschen sich zwischen Säulen und Wände, legen sich aufgefädelt auf die freien Flächen im Zebrastreifen-Weiß oder schrauben sich als Haufen wegstehender Beine in die Höhe.
Die 17 Tänzerinnen und Tänzer hängen in Regenrinnen, sitzen auf Ampeln oder verbiegen ihre Körper wie Schwimmhilfen in Mauerlücken. "Mama, da liegen Menschen drin", sagt ein kleiner Bub. Wie genau sie dort hineinkommen, bleibt den Zusehern verborgen. Das fördert die Magie. "Bodies in Urban Spaces" nennt der österreichische Künstler Willi Dorner seine Installation für die 14. Auflage des Straßenkunstfestivals La Strada, der man eine halbe Stunde lang staunend folgt. Die Verfolgungsjäger vermehren sich, Spontane stoßen mit Einkaufssackerln hinzu. Eine grandiose Intervention, die viel Applaus erntet.
Emotionen & Entspanntheit
Szenenwechsel. Am Hauptplatz bringt die französische Tänzerin Claire den straff organisierten samstäglichen Hochzeitsplan ein wenig durcheinander. Sie schaukelt auf ihrem Halbrund aus Metall vor dem Rathaus auf und ab, wirbelt um den Mast, wiegt sich in traurigen, zärtlichen Liebesliedern und verpasst alldem einen Extraschuss Tollpatschigkeit. Große Emotionen, die kleine Veränderungen in die Gesichtsausdrücke der vielen Hundert Zuschauer zaubern: Staunen, Lächeln, Entspanntheit.
Bei der Stadtführung "You are here" von Sophia Laggner und den Graz Guides gesellt sich zu den Reaktionen der Zuschauer noch ein klein wenig Lachen über die Teilnehmer. Mit riesengroßen roten Punkten um ihren Hals marschieren sie an Haltegriffen aus Straßenbahnen, die an Kleiderständern baumeln, als italienische Busreisende durch die Herrengasse. Anspielungen auf reale Gruppierungen dieser Art sind nicht ausgeschlossen. Die Ironie dabei: Touristen amüsieren sich am meisten über den Zug, der laut in der Herrengasse "Ti Amo" singt.
Das Schönste am Festival La Strada: dass es auch heuer wieder ordentlich Verwirrung stiftet. Zum Beispiel am Jakominiplatz. Dort, wo niemand lange bleibt, lohnt sich bis nächsten Samstag ein längerer Stopp. Klangkünstler Michel Risse hat die Geräusche des Platzes verstärkt. Straßenbahnen bremsen lauter, Ansagen bringen Fahrgäste aus dem Konzept, kleine Post-its füttern Wartende mit Poesie. Da versäumt man gerne eine Bim.
Features
Fakten
"La Strada" , Festival für Straßen- und Figurentheater in Graz bis 6. August 2011.

















