"Konsumraum light" für Szene am Billa-Eck
Beschimpfungen der Kunden, Drogendeals in den Geschäften: Die Situation am Hauptplatz wird für die Unternehmer "unerträglich". FPÖ fordert eine Art Konsumraum für die Szene.

Foto © Marija KanizajFP-Chef Mario Eustacchio will die Situation am Hauptplatz beim Billa-Eck nach deutschem Vorbild entschärfen
Der Hauptplatz wird wieder zum sozialen Brennpunkt der Stadt: Zwischen 20 und 40 Personen treffen sich regelmäßig beim Billa-Eck, betrinken sich mit Bier und Wein, handeln mit Drogen, lassen ihre Hunde frei laufen - und sorgen bei den ansässigen Unternehmern zunehmend für Unmut. "Das ist eine Mischung aus Alkohol- und Drogenszene, die sich vor unser aller Augen aufführt. Die nehmen sich Rechte heraus, die normale Bürger nicht haben. Das ist unerträglich", findet Karl Heissenberger, Inhaber des gleichnamigen Teegeschäfts.
Die Marktleiterin vom Billa, die ihren Namen aus Angst nicht in der Zeitung lesen will, legt nach: "Die urinieren in die Passage, verkaufen in unserem Geschäft Drogen, beschimpfen unsere Kunden und bespucken unser Personal." Sie habe schon Dutzende Anzeigen, auch wegen Körperverletzung, erstattet, geholfen hat es bisher nichts.
Beide Unternehmer sind sich einig: Sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Das Problem sei schon lange bekannt, aber die Situation werde immer schlimmer.
Alkohol ja, Drogen nein
Zu Sommerbeginn kündigte SPÖ-Sozialstadträtin Martina Schröck an, eine Expertenkommission einzusetzen, die sich erstmals am 3. August trifft. FPÖ-Chef Mario Eustacchio geht nun einen Schritt weiter und legt einen konkreten Lösungsversuch vor: Er will eine "Soziothek" einrichten, "einen Raum in Zentrumsnähe, den die Leute aufsuchen können, um dort ihr Bier und ihren Wein zu trinken". Drogen sollen nicht erlaubt sein, dafür soll es eine Tee- und Kaffeeküche geben - eine Art "Konsumraum light" also, "ein Treff- und Ruhepunkt mit Dach", so Eustacchio.
Wegweisungsrecht
Für den FPÖ-Politiker ist das aber weniger ein sozialpolitisches, sondern vielmehr ein ordnungspolitisches Werkzeug, denn: Die Polizei soll dann die Szene mit Hinweis auf die Soziothek vom Billa-Eck wegweisen können. Die Unternehmer und Fremdenführer könnten aufatmen und "die Szene entwickelt vielleicht sogar eine Kultur der Selbstverantwortlichkeit", so Eustacchio, der sich das Modell aus dem deutschen Kiel abgeschaut hat.
Den geeigneten Raum müsse die stadteigene Liegenschaftsverwaltung suchen. Dass dieser dann auch von der Szene angenommen wird, dafür müssten die Sozialarbeiter sorgen.













