Den Totenschein gab es erst nach dem Begräbnis
Statt Trost gab es für die Angehörigen eines 78-Jährigen nur weiteren Ärger. Weil tagelang kein zuständiger Arzt erreichbar war, wurde ein Verstorbener ohne die verpflichtende Totenbeschau beerdigt. Hausärztin sprang ein, allerdings erst nachträglich.

Foto © Kanizaj/Sujet
Nach schwerer Krankheit verstarb in der Nacht auf Freitag nahe Graz ein 78-jähriger Pensionist im Kreise seiner Familie. Ein Notarzt war noch gerufen worden, er konnte aber nur noch den Tod des Steirers feststellen. Traurig genug für die Angehörigen. Doch statt Trost gab es für diese nur weiteren Ärger.
Die Familie wollte eine rasche Abholung des Leichnams und vereinbarte das Begräbnis für Montag. Bevor der Körper aber weggebracht werden darf, besteht die Verpflichtung zur Totenbeschau: Der Distrikts- bzw. Gemeindearzt muss bescheinigen, dass es keine Zweifel an einer natürlichen Todesursache gibt. Eigentlich eine Formsache. Doch die zuständige Distriktsärztin war auf Urlaub, keine der beiden Vertretungen erreichbar.
Bestimmungen
Das Bestattungsunternehmen kam dem Wunsch der Angehörigen trotzdem nach und brachte den Leichnam noch in der Nacht ins Kühlhaus. Es würde sich im Laufe des Freitags wohl jemand finden, der die Totenbeschau vornimmt, hoffte der Bestatter. Vergeblich: Bis Sonntag scheiterten sämtliche Versuche einen Arzt zu erreichen, der dazu befugt und bereit gewesen wäre, einen Totenschein auszustellen.
"Hätten wir uns an die gesetzlichen Bestimmungen gehalten, was wir aber den Angehörigen nicht zumuten wollten, wäre ihr Verstorbener bis Montag früh im Trauerhaus bei Temperaturen bis 30 Grad im Bett gelegen", heißt es in einem Schreiben des Bestatters an die BH Graz-Umgebung, das der Kleinen Zeitung vorliegt.
Der Mann wurde schließlich am Montag begraben - ohne Totenbeschau. Die Papiere füllte im Nachhinein Erika Kunasek aus, die Hausärztin des Verstorbenen. "Aber nur deshalb, weil ich den Patienten Stunden vor seinem Tod noch gesehen hatte und für mich die Todesursache klar war. Bei einem Fremden hätte ich das nie getan", erklärt die praktische Ärztin. Es sei auch nicht das erste Mal gewesen, dass kein Arzt für die Totenbeschau erreichbar war. Diese Missstände müssten beseitigt werden, fordert Kunasek.
Bei der Bezirkshauptmannschaft erfuhr Amtsärztin Elisabeth Zetina erst gestern von der Causa. Sie möchte der Sache zuerst auf den Grund gehen, bevor sie eine Stellungnahme abgibt.















