"Ich stelle mich zurück, und auch die Partei"
Eine Frage des Charakters ist es für ÖVP-Chef Hermann Schützenhöfer, als Zweiter Mitverantwortung für Land oder Bund zu übernehmen. Auch er denkt über längeren Verbleib im Amt nach.

Foto © Sabine HoffmannLandeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer (ÖVP): "Die Lust wächst, das noch etliche Jahre gut und in Gesundheit zu machen"
D er Landeshauptmann hat Ihnen Rosen gestreut. Es ist nicht leicht, als Zweiter solche Projekte mitzutragen. Was hat Sie dazu bewogen?
HERMANN SCHÜTZENHÖFER: Ich bin in meinem 60. Lebensjahr, und ich bin mehr als die Hälfte meines Lebens in der Politik. Ich habe einfach in den letzten Jahren ein Unbehagen gespürt, nicht nur bei den Menschen, auch in mir selber. Was wird aus dir gemacht, nur weil du jetzt an der Spitze stehst? Ich war im Inneren unrund, weil ich gesehen habe, das Land bräuchte eine entschlossene Regierung. Aus der gegenseitigen Blockade, die es da gegeben hat, sind wir ausgebrochen und dorthin zurückgekehrt, wo wir vorher waren. Franz Voves war Askö-Präsident und ich Sportreferent, wir kannten uns ja gut.
Braucht man Jahre, um das zu lernen, oder könnten Sie ÖVP-Bundesparteiobmann Michael Spindelegger schneller zu dieser Erkenntnis verhelfen?
SCHÜTZENHÖFER: Ich glaube, es ist eine Frage von Personen und wie sie miteinander können und ob man in einem entscheidenden Moment den Charakter hat zu sagen: Ich stell' mich zurück. Ich stelle auch die Partei zurück. Ich stelle das Land in den Vordergrund. Was in meiner Crew schwer erklärbar bleibt, ist, dass ich ganz bewusst die Mechanismen, die es gibt und die leider gültig bleiben, dass Harmonie dem Ersten mehr nützt als dem Zweiten, dass der Streit dem Ersten mehr schadet als dem Zweiten, dass ich das jetzt im Interesse des Landes außer Kraft setze.
Kommt der Widerstand eher aus dem engeren Kreis oder von den Funktionären im Land?
SCHÜTZENHÖFER: Derselbe Kreis, der uns jahrelang gesagt hat, ihr streitet zu viel, fängt jetzt an zu reden: Ihr harmonisiert zu viel. Wo kommst du da vor? Das muss ich jetzt abprallen lassen, weil sonst geht sich diese Reformpartnerschaft nicht aus. Die Umfragen der ersten zwei Jahre muss ich für mich werten, so wie sie kommen, im Wissen, dass das eintritt, was ich immer gesagt habe: Um das Alzerl wird der Erste immer vorne sein.
Sie haben im Land die Notwendigkeit für sich erkannt, sich als Zweiter zurückzunehmen. Sehen Sie dieselbe Notwendigkeit für die ÖVP im Bund?
SCHÜTZENHÖFER: Ich sehe dieselbe Notwendigkeit, dass das auch der Erste tut, und er tut's bei uns im Land. Es kann ja nur so funktionieren, dass bei einem solchen Wurf beide in Augenhöhe zueinander auftreten, unabhängig davon, dass sich eben ein anderes Meinungsbild bei der Bevölkerung ergibt. Solange für den Zweiten erkennbar ist, dass der Erste nicht glaubt, diese Position ausspielen zu müssen, und solange der Erste sieht, dass der knapp Zweite keine Tricks anwendet, um über ihm zu stehen, stehen wir dort, wo wir stehen wollen, um auch harte Maßnahmen durchsetzen zu können.
Was ist mit den Konfliktfeldern?
SCHÜTZENHÖFER: Wenn die beiden Chefs Problembereiche ausklammern, wird es eine Spur schwieriger. Ich denke, man muss Problemkreise auf die Tagesordnung nehmen, und zwar auf die nicht veröffentlichte Tagesordnung, um dann klar zu machen: Das gehen wir jetzt an. Große Themen herauszulassen, weil die Angst besteht, dass man sich nicht einigt, das geht nicht.
Welche Reihung nach Wichtigkeit würden Sie da bei den nationalen Themen vornehmen?
SCHÜTZENHÖFER: Gar keine. Weil ich denen ja keine Vorschriften machen möchte.
Gibt's schon einen Termin mit ÖVP-Obmann Michael Spindelegger?
HERMANN SCHÜTZENHÖFER: Wir haben schon ein Gespräch gehabt.
Mit welchem Ergebnis?
SCHÜTZENHÖFER: Wir wollen die Zusammenarbeit intensivieren. Es geht mir dabei nicht um Personalfragen, das ist abgehakt. Es geht um inhaltliche Positionierungen. Da darf es keinen Kadavergehorsam geben, aber alle haben alles dazu beizutragen, dass die ÖVP so aufgestellt wird, dass wir nicht um den zweiten, sondern wieder um den ersten Platz antreten können.
Und wenn es keine Einigung bei den Konfliktthemen gibt?
SCHÜTZENHÖFER: Wenn man auf festen Fundamenten steht, kann man zulassen. Die Volkspartei braucht eine gewisse Breite, braucht Zuspruch über das eigene Stammklientel hinaus, darum ringen wir. Niemand ist an einem Dauerkonflikt interessiert, der dazu führen würde, dass die Wählerschaft der ÖVP noch überschaubarer wird.
ÖVP-Klubobmann Christopher Drexler hat gesagt, Politik mache jetzt wieder richtig Freude. Verspüren Sie diese Freude auch? Regt sie Sie auch an, über einen längeren Verbleib in der Politik nachzudenken?
SCHÜTZENHÖFER: Bestätigen kann ich, dass ich wieder mehr Sinn drin sehe, als das in den letzten Jahren der Fall war, insofern ist das auch eine neue Motivation. Allerdings: Die Leichtigkeit des Seins war mir nie geschenkt. Ich frage mich auch in Zeiten der Reformfreude immer wieder: Ist das richtig, was wir machen? Ich bin und bleibe einer, der neben der Freude auch den Rucksack am Buckel spürt. Aber was meine eigene Zukunft anbelangt, das ist in jedem Fall mindestens offen. Die Lust wächst, das etliche Jahre, hoffentlich gut und hoffentlich in Gesundheit, zu machen. Mehr kann ich heute nicht sagen.


















