"Zusammen fühlen, erleben und nachdenken"
Pierre-Laurent Aimard eröffnet neue Aspekte.
GRAZ. "Das große Tor von Kiew", das majestätische Finale von Modest Mussorgskis "Bildern einer Ausstellung" eignet sich hervorragend als effektvolle Schlussnummer. Aber Pierre-Laurent Aimard, der sie an das Ende seines furiosen "styriarte"-Abends im Stefaniensaal gesetzt hatte, stieg schon vor der Applaus treibenden, triumphalen Apotheose aus: Ihn hatte nur das Glockenläuten interessiert, mit dem dieser Satz beginnt. "Cloches d'adieu" ("Abschiedsglocken") hatte Aimard, nach einem Stück von Tristan Murail, den fünften und letzten Teil seines außergewöhnlichen Collagen-Programms genannt, in dem er sich mit komponierten Resonanzen beschäftigte.
Als Einladung an die Zuhörer, "zusammen fühlen, erleben und nachdenken zu können", deklarierte der phänomenale französische Ausnahmepianist sein Programm "My Piano Album", eine kühne Mischung 42 kurzer Sätze bzw. Fragmente aus mehreren Stilepochen. Beleuchten wollte er damit, wie unterschiedlich sich Komponisten mit bestimmten musikalischen Grundelementen auseinandersetzen. Die verblüffendste, ungeahnte Aspekte eröffnende Konfrontation gelang ihm dabei, als er der Melodiebildung Franz Schuberts jene von Karlheinz Stockhausen gegenüberstellte.
Im Radio: 19. August, 19.30 Uhr, Ö 1.
















