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Zuletzt aktualisiert: 28.06.2011 um 22:03 UhrKommentare

Totalsanierung des Graz-Linien-Grundes

Ein übel riechendes Gebräu aus Gaswerkszeiten verschmutzt den Graz-Linien-Grund. Holding lässt es mit Millionenaufwand beseitigen.

Teerhaltig und übel riechend: die Reste des Gasometers

Foto © Holding GrazTeerhaltig und übel riechend: die Reste des Gasometers

Klar wusste man bei der Holding (vormals Stadtwerke), dass die Graz Linien (einst GVB) auf ehemaligem Gaswerksgelände beheimatet sind. Dennoch war die Überraschung groß, als man im Vorjahr das neue Werkstätten- und Verwaltungsgebäude zu bauen begann - und ein übel riechendes, schwarzes Gebräu an die Oberfläche kam. "Ein Gasometer wurde angeritzt. Es gab Chemiealarm. Aber: Keine Gefahr im Verzug ", erklärt Sabine Kreuter, Stabsstellenleiterin für Bauprojekte.

Das teerhaltige, im Extremfall krebserregende Material hat man mittlerweile tonnenweise geborgen und entsorgt. Sieben Meter ging man in die Tiefe. Kostenpunkt: knapp 740.000 Euro. Auch Grundwassersonden sind am Gelände verteilt. An Werkstätte und Neubau wird indes auf Hochtouren gearbeitet, die Eröffnung ist für Dezember angesetzt. Problem bereinigt? Mitnichten.

Die Holding Graz rüstet sich nun für die Totalsanierung ihres Areals. Rund neun Millionen Euro hat man dafür vorerst zurückgelegt. Diese Summe sollte "für das Gröbste" reichen, schätzt Kreuter. Schließlich sind auf alten Karten fünf Gasspeicher (Bereich Steyrergasse, Schönaugürtel) eingezeichnet. Nicht zu vergessen: Gasleitungen und die dazugehörigen Anlagen. Bereits 1873 hatte es dort einen "Umweltskandal" gegeben. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde alles zerstört. 66 Jahre später beginnt gemeinsam mit den Umweltbehörden die umfangreiche Beseitigung der Altlasten.

Bohren und analysieren

Im Altlastenkataster verzeichnet waren die Überreste des Gaswerks nicht. Zerstörte Zisternen, eingestürzte Decken, massenhaft Schutt und Erdreich: Nach dem Krieg kein Thema, das leuchtet ein. Heute weiß man, dass zum Beispiel im Bereich der alten Remise ein Gasometer mit einem Durchmesser von 38 Metern lag. Die Maße der anderen Behälter sind auch nicht gerade schmal. In welcher Tiefe sie genau schlummern, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, wo überall kontaminiertes (verschmutztes) Material verborgen ist. "Man wird bohren und die Kerne analysieren", hofft Fachfrau Kreuter mit ersten Ergebnissen im Herbst. Die Ausschreibung läuft. Aber das ist nur der erste Schritt. Das vom Bundesumweltamt vorgegebene Untersuchungsprogramm und seine Ergebnisse bilden die Basis für einen Sanierungsplan. Schrittweise soll er in den nächsten Jahren umgesetzt werden - in Kooperation mit Land (technische Umweltkontrolle; Elisabeth Winkler) und Bund (Umweltamt; Birgit Moser).

Sauberes Gelände

Warum der große Aufwand? Man könnte die Altlasten, solange nicht Gefahr im Verzug herrscht, unter der Erde belassen. Doch einerseits will (und muss) die Holding Graz eine Vorbildrolle im Umweltschutz übernehmen, wie man im Umfeld der Vorstände Barbara Muhr, Wolfgang Malik und Wolfgang Messner erklärt. Und dann gibt es praktische Gründe: Wenn erst einmal alle 45 neuen Variobahnen geliefert sind, stellt sich die Frage nach neuen Abstellhallen und Lagergebäuden. Und ob das Graz-Linien-Areal nördlich der Steyrergasse nicht aufgewertet oder veräußert werden soll. Für all diese Projekte braucht es Platz und einen sauberen Baugrund.

THOMAS ROSSACHER

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