Streiten aus Lust statt aus Frust
Drei Grazer bei Debattiermeisterschaft in Heidelberg in Deutschland.

Foto © HAMANN Am Wort: Jura Hölzel - Kollegen Timotheus Hell, Eva Panzl (rechts)
Soll Belgien geteilt werden? "Es gibt keine Regierung", sagt Wiebke Nadler: "Im Parlament sitzen zwölf Parteien, von jeder Couleur zwei, Wallonisch und Flämisch." Die Menschen wählen entlang kultureller Grenzen, das blockiert den Staat, ergo: teile und regiere. Jura Hölzel widerspricht: "Ein Staat muss keine Regierung haben, um zu existieren."
Der Psychologiestudent aus Graz redet bei den Deutschsprachigen Debattiermeisterschaften. Zum elften Mal treffen sich Studenten aus der Schweiz, Österreich und Deutschland, um die besten Streiter zu küren, diesmal in Heidelberg. Mit zwei Teammitgliedern ringt Jura Hölzel gegen Wiebke Nadler und ihre Kollegen aus Leipzig.
Debattieren gleicht Ringen, nur mit Argumenten. Die Position wird zugelost, ob pro oder kontra, also Regierung oder Opposition, kann sich kein Team aussuchen. Das Thema geben die Chefjuroren vor - in diesem Fall die Frage, ob Belgien geteilt werden soll. Graz sitzt in der Opposition, Leipzig in der Regierung. Die Teams bekommen 15 Minuten Vorbereitungszeit, dann argumentieren die Redner abwechselnd gegeneinander, jeder hat sieben Minuten. Am Ende kürt eine Jury den Sieger. Es zählt sowohl Sprachkraft als auch Struktur der Argumente.
"Debattieren ähnelt dem Schreiben einer Hausarbeit", sagt Jura Hölzel. "Es braucht logische Zwischenritte, um den Zuhörer mitzunehmen." Er leitet den Debattierklub der Uni Graz und hat schon immer gern geredet. Durch den Wortsport lernte er: "Gern und gut reden ist nicht dasselbe." Mitstreiterin Eva Panzl nutzt ihr Debattierkönnen gerade praktisch: Sie schreibt ihre Abschlussarbeit. Zudem "macht es Spaß, man verliert seine Unsicherheit und entwickelt sich weiter".
Die Leipziger Streiter gewinnen die Runde, aber Belgien wird deswegen nicht geteilt. Kommt beim Debattieren nichts raus? Doch, Erkenntnis und Gedankenspielerei. "Man kann hier über die wildesten Sachen streiten", sagt Timotheus Hell. Der 23-Jährige studiert Telematik an der TU Graz. Ihn fasziniert der Wortsport, weil "die Positionen zugelost sind und niemand seine eigene Meinung vertritt, man verletzt also keine Gefühle". Viele Menschen streiten aus Frust, er aus Lust.
















