Isoliert mitten in einem Krisengebiet
Die Grazerin Maria Kunz repräsentiert seit 2008 die Republik Österreich als Botschafterin in einer schwierigen Region: in Syrien.

Foto © PrivatBotschafterin Maria Kunz auf dem Dach ihrer Residenz in Damaskus: "Eine Stadt, in der man nie allein ist"
Zu dem Drang, die Welt zu sehen, gesellt sich im Älterwerden die Sehnsucht nach Vertrautem. Vor allem, wenn man im Orient lebt, wo man als Mitteleuropäer auf Selbstverständlichkeiten verzichten muss. In solchen Fällen helfen freundschaftliche Beziehungen, wie sie Maria Kunz als Botschafterin in Damaskus zu den österreichischen Soldaten auf den Golanhöhen pflegt. "Als ich vor drei Jahren Wien in Richtung Syrien verlassen habe, habe ich mir ein Kreuz eingepackt. Aus irgendwelchen Gründen kam dieses in Damaskus nie an."
Diese Episode hat Kunz ganz beiläufig den Soldaten erzählt. "Wie war ich überrascht: Bei einem weiteren Treffen überreichen sie mir ein Splitterkreuz. Sie haben es aus Schrapnellen, von denen es auf den 1967 zwischen Israel und Syrien heftig umkämpften Golanhöhen ausreichend viele gibt, zusammengeschweißt."
Das Kreuz, ein Kriegs-Friedenszeichen aus einer instabilen Region. Wie unruhig diese zurzeit tatsächlich ist, kann selbst Kunz nicht sagen. "Ich komme aus Damaskus nicht hinaus und in der Stadt selbst ist es ruhig." Zwar habe es in einigen Vororten vor einigen Wochen Demonstrationen gegeben, die auch gewaltsam niedergeschlagen wurden, aber damit sei es mittlerweile vorbei. Und die Lage im übrigen Land könne sie nicht beurteilen, denn "es gibt keine zuverlässigen Informationen". "Man hört drei Darstellungen zu einem Ereignis und kann sich aussuchen, welcher man Glauben schenkt", erklärt Kunz.
So wenig die Sicherheitslage klar ist, so wenig sind es die Gründe für die Demonstrationen. Denn anders als in Tunesien, Ägypten, Bahrain oder Jordanien nahmen die Proteste in Syrien nicht in der Hauptstadt ihren Ausgang, sondern in Provinzstädten wie Deraa oder Jisr al-Shughour. Kunz interpretiert dies in Richtung "sehr unterschiedlicher Motive": "Es könnten Stammesinteressen sein, die sich plötzlich entladen. Mit Sicherheit sind es aber auch junge Menschen, die gegen die allgemeine Perspektivenlosigkeit aufbegehren. Und es sind junge Männer, die frustriert Arbeit suchen, um wenigstens heiraten zu können." Denn Bestreben eines jeden jungen Mannes sei es, mit seiner künftigen Frau aus der Großfamilie auszuziehen und ihr ein eigenes Nest zu bieten.
Syrien ist für Kunz die entfernteste Erfahrung ihres lebenslangen Interessenkreises, den sie als "mediterran" beschreibt. Eröffnet hat sie sich diesen nach dem Jus-Studium in Graz durch Studienaufenthalte an der John-Hopkins-Universität in Bologna und rechtsvergleichende Kurse in Lissabon. Intensiviert hat sich ihre mediterrane Begeisterung durch Dienstaufenthalte in Zagreb, Mailand und Rom.
Einladungspolitik
In den auswärtigen Dienst eingetreten ist Kunz im Jahr 1974. Ende 2008 wurde sie auf ihren letzten Posten berufen: nach Damaskus. "Das war in einer spannenden Periode. Nämlich unmittelbar nachdem Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Syriens Präsidenten Bashar Assad durch eine Einladung nach Paris aus der internationalen Isolation geholt hatte. Kaum war der Damm gebrochen, beeilten sich viele europäische Politiker, nach Syrien zu kommen", erinnert sich Kunz. Die hektische Besuchs- und Einladungsaktivität als ein "stilles Eingeständnis" dafür, dass die Politik der Isolation nichts gefruchtet habe. Ob Isolation oder langsame Eingemeindung in die Staatengemeinschaft: "Syrien hat noch immer drei Trümpfe in der Hand: die Hisbollah, die Hamas und die Nähe zum Iran" analysiert Kunz.
Abgesehen von der augenblicklichen politischen Situation, die undurchsichtig bis schwierig ist, ist die Mission in Syrien nicht besonders schwierig. "Meine Hauptaufgabe ist die Betreuung von 200 syrisch-österreichischen Doppelstaatsbürgern. Um die Soldaten auf dem Golan kümmert sich die UNO und Touristen gibt es zurzeit keine." Und die Lebensbedingungen? "Abgesehen davon, dass ich als alleinstehende Frau" - Kunz, Mutter von drei Kindern, ist verwitwet - "anfänglich gewisse Schwierigkeiten hatte, mich bei meinem männlichen Chauffeur durchzusetzen, sind die Syrer generell freundlich und entgegenkommend. In dem geselligen Land ist man nie allein." Auch das ist eine Sicherstellung in der schwierigen Situation.
Features
Fakten
Maria Kunz, geboren 1947.
Werdegang: Nach Abschluss des Jus-Studiums in Graz 1972-74 Besuch der Diplomatischen Akademie. 1974 Eintritt in den diplomatischen Dienst. Im Außenministerium für Südtirol und Südeuropa zuständig, seit 2008 Botschafterin in Damaskus.
















