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Zuletzt aktualisiert: 04.06.2011 um 22:03 UhrKommentare

Von Büchern und von Freundschaft

Österreichs Schüler lesen laut Pisa-Studie zu schlecht. Acht Senioren tun etwas dagegen - als Lesepaten wecken sie bei ihren Schützlingen die Freude am Text. Doch das ist längst nicht alles.

Die Lesetruppe der Neuen Mittelschule Fröbel mit Lehrerin Auer (rechts)

Foto © FuchsDie Lesetruppe der Neuen Mittelschule Fröbel mit Lehrerin Auer (rechts)

Es gibt sie in analog und diagonal", liest Adele. "Diagonal?", fragt Herta Bacher. "Ach so, di-gi-tal", liest Adele nun. "Ich hätte gerne einmal gewusst, was das bedeutet", sagt Bacher. "Na, analog ist die runde Uhr mit den Zeigern und digital ist die, die Zahlen anzeigt", antwortet Adele, lacht und schaut Bacher erwartungsvoll an. Die nimmt die Zwölfjährige in den Arm. Was auch eine Szene zwischen Oma und Enkelin sein könnte, findet in Wirklichkeit in einer Schulklasse statt, in der Neuen Mittelschule Fröbel in Graz. Hier wird Beziehung gelebt, geredet, gelacht - und vor allem gelesen.

Die schlechte Leseleistung österreichischer Schüler bei der Pisa-Studie hat die österreichische Bildungsdebatte befeuert. Der Durchschnitt liest demnach zu schlecht. Um jene, die sich schwer tun, ans Lesen heranzuführen, hat die Schule mit dem Land Steiermark das Pilotprojekt "Einfach lesig" ins Leben gerufen. "Wir machen das als einzige Schule in der Steiermark", erzählt Direktor Wolfgang Grabner. "Im Deutschunterricht gibt es die Ressourcen für eine solche Einzelbetreuung nicht", erklärt Monika Auer, die das Projekt als Lehrerin federführend betreut.

Das Konzept ist einfach: Zwei unterschiedliche Generationen - Senioren und Schüler - finden über das Lesen eine gemeinsame Sprache. Eine Stunde in der Woche ist eine Dame oder ein Herr ausschließlich für ein Kind da. Bei einigen sind die Enkel schon groß, andere haben keinen eigenen Nachwuchs. Acht Lesepaten machen mit - unentgeltlich. Zum lesen, aber auch spielen und zuhören. Manchmal entstehen dabei sogar Freundschaften. So wie bei Heinrich Daporta und seinem Schützling Usama.

"Seit mehr als 65 Jahren hat es in Österreich keinen Krieg mehr gegeben. Warum brauchen wir trotzdem ein Bundesheer? Darüber reden die Politiker", liest Usama aus der Kleinen Kinderzeitung. Er schaut Daporta erstaunt an. "Was sagst du dazu?", fragt der 82-Jährige den Zwölfjährigen. Usama denkt nach. "Na, hier in Österreich ist kein Krieg, einfach Ruhe", sagt er dann. "Wie im Paradies." Seine Eltern stammen aus Pakistan, die Familie lebt seit fünf Jahren in Graz.

Eigene Gedanken

Es geht bei "Einfach lesig" nicht nur darum, sinnerfassend lesen zu üben. Es geht auch darum, sich seine eigenen Gedanken zu machen. "Brauchen wir Soldaten?", fragt Daporta den Buben. "Schon, die helfen immer." - "Warum sind dann manche dagegen?" "Vielleicht, weil sie Soldaten nicht mögen?", sagt Usama. Eine Diskussion entspinnt sich. Man merkt, da mögen sich zwei.

Kompliziert geht es bei Edith Schmid und Abdullah (14) zu. Der Bursch möchte in eine weiterführende Schule gehen und da muss das Lesen besser werden. Gerade geht es um Biometrie. "Meine Enkelin ist schon groß", erzählt die Frau. Sie lächelt. "Und es macht mir einfach Spaß, mit Abdullah zu lesen."

SONJA HASEWEND

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