Mitternachts-Sonnenbad am zweiten Tag
Nacht Nummer zwei beim springfestival: Schön schiefe Sounds, fröhliche Instrumente und der Moment, an dem die Sonne aufging. Nachts.

Foto © SPRINGFESTIVAL/STEFAN LEITNER Die Kanadier Caribou ließen in Rock-Besetzung - samt Schellenkranz - die Sonne aufgehen
Für das britische Duo Mount Kimbie muss es eine hübsche Überraschung gewesen sein, als sie sich auf der Bühne der Helmut-List-Halle wiederfanden: "In so einer großen Halle haben wir noch nie gespielt," zeigten sie sich erstaunt. Als massentauglich kann man ihren Sound, für den Begriffe wie Couch-Potato-Dubstep erfunden wurden, kaum bezeichnen. Wabernd, wundersam und wunderbar: Diese Eigenschaften machten Mount Kimbie zum perfekten Opener für Caribou, der seit dem Album "Swim" Everybody's Darling von Presse und Publikum ist. Zu Recht. Begleitet von einer Band in Rockbesetzung (samt Schellenkranz für den Sänger!) teilte er sein Set in eine experimentellere und eine zugänglichere, mit Beach-Boys- und Psychedelia-Klängen gespickte Hälfte. Extrem euphorisierend: die Zugabe, eine extra lange Version von "Sun" mit gedroschenem Schlagzeug. Überschwänglicher Jubel - auch zu Recht.
Der Preis für den Lieblings-Nerd des Abends geht klar an Dorian Concept, der im p.p.c. mit virtuos-verspielten Peep-Sounds verzückte. Kryptische SMS mit dem Text "ich koze gleich" wurden danach nicht von legasthenischen Säufern verschickt, sondern von Beat-Feinspitzen: In der Postgarage wartete das lang ersehnte erste Graz-Gastspiel des Hamburgers DJ Koze. Das lange Sehnen hat sich übrigens gelohnt.
Den Preis für die beste Frisur der Nacht räumte einer der beiden Perlick-Molinari-Brüder von French Horn Rebellion ab: beschwingtes, humorvolles Eintanzen zum ersten Album mit dem Horn im Dom im Berg. Warm-up für die elektrisierten Nôze.


















