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Zuletzt aktualisiert: 02.06.2011 um 17:11 UhrKommentare

Zwist um Auffangstation für Reptilien geht weiter

Steirische Schlangenexperten bekriegen einander und die Behörde. Einer erhielt nun Besuch vom Zoll. Der Politik Geduld ist bald zu Ende.

Amanda, die Grazer Boa

Foto © APA/GINDL Amanda, die Grazer Boa

"Sie zerfleischen sich." Nein, nicht die Exoten und Gifttiere, mit denen eine Handvoll steirischer Reptilienfachleute umzugehen weiß. Die Experten sind es, die sich "zerfleischen". Sagt die Referentin des Grazer Veterinärstadtrats Edmund Müller (SP). Der gehört zum Kreis jener, die mit allerlei Anträgen und Anschuldigungen der Schlangenkenner konfrontiert sind. Zehn Monate nachdem die vermeintlich ausgebüxte Boa Amanda den Großraum Graz auf Trab hielt, fliegen unter den Sachverständigen die Fetzen. Im Schussfeld ist auch die Behörde. Dabei wollte die Landeshauptstadt nach dem Fall Amanda eine Reptilienauffangstation errichten.

Sachliche Diskussionen darüber sind aber Mangelware. Statt dessen erhielt ein bekannter Reptilienexperte nun überraschend Besuch vom Zoll. Die Beamten wollten prüfen, ob der Steirer eventuell doch mehr oder andere Tiere beherbergt als gemeldet. "Reine Schikane", meint der Sachverständige. Erstens hätte alles gepasst und zweitens wäre der Zoll von falschen Zahlen ausgegangen. Sie könnten aus dem Magistrat stammen, vermutet der Schlangenkenner - und überlegt zu klagen. Sofern sich das Amt bis 15. Juni nicht erklärt. Bloß kann der zuständige Beamte sich nicht äußern: Er ist auf Urlaub, außerhalb Europas - und das bis 15. Juni. Man habe "vollstes Vertrauen ins Veterinäramt", heißt es dazu in Büro Müllers.

Gefahrenpotenzial

Dort landeten ebenso die Vorwürfe gegen einen anderen Reptilienfachmann. Von ihm würde "großes Gefahrenpotenzial" ausgehen, heißt in einem entsprechenden Schreiben. Freilich dementiert der Betroffene erbost. "Gespräche auf dienstlicher und persönlicher Ebene wurden geführt, gebracht haben sie aber nichts", weiß man im Grazer Rathaus nicht mehr weiter.

Müllers Mitarbeiter wollen "versuchen, das zu regeln". Er "soll einen runden Tisch mit allen Beteiligten einberufen, um endlich Klarheit in die Angelegenheit zu bringen", macht Verena Ennemoser (ÖVP) Druck.

Der Politik wird das Theater zu viel, die Reptilienauffangstation droht in der Schublade zu landen. "Laut Tierrettung gab es im vergangenen Jahr nur eine exotische Schlange einzufangen", schildert Desiree Walter vom Büro Müller. 39 Schlangeneinsätze sind insgesamt registriert. Nicht eben viel, um eine Auffangstation zu argumentierten.

THOMAS ROSSACHER

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