EHEC-Keim : Bundesweite Abklärung findet in Graz statt
Die AGES betreibt in der steirischen Landeshauptstadt ein Zentrum für Ab- und Aufklärung lebensmittelbedingter Krankheitsausbrüche samt EHEC-Typisierung.

Foto © APA Für Österreich findet die bundesweite Abklärung in Graz statt
Ein Zentrum zur österreichweiten Ab- und Aufklärung lebensmittelbedingter Krankheitsausbrüche - wie u.a. der aktuell in Deutschland grassierende Darmkeim EHEC - wurde in den vergangenen Jahren am Grazer Standort der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) eingerichtet. Über die wichtigsten Erkrankungen, die durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln tierischer Herkunft sowie durch indirekten Kontakt erfolgen, sogenannte Zoonosen - informiert das Zentrum am 8. Juni in einer ganztägigen Veranstaltung.
Lebensmittelbedingte Infektionen des Menschen können von einer Vielzahl bakterieller, viraler und parasitärer Erreger bzw. durch sie gebildete Gifte verursacht werden. Meistens verursachen sie Magen-Darm-Beschwerden, die oft mild verlaufen, sie können aber auch schwere, mitunter lebensbedrohliche Syndrome verursachen - wie der zurzeit grassierende gefährliche Darmkeim EHEC, der in Deutschland bereits einige Todesopfer gefordert hat.
Referenzzentrum für Verotoxin-bildende Escherichia Coli
In der Steiermark befindet sich neben den nationalen Referenzzentren für Infektionen mit Salmonellen, Campylobacter, Shigellen und Yersinien seit rund einem Jahr das nationale Referenzzentrum für Verotoxin-bildende Escherichia Coli (Vtec), zu denen auch die EHEC-Keime (Enterohämorrhagische Escherichia Coli) als eine besonders gefährliche Form des Darmbakteriums Escherichia coli (EC) zählen. 2011 sind in Österreich 19 Fälle aufgetreten, wobei eine steirische Patientin verstorben ist. Im vergangenen Jahr wurden rund 60 Fälle von klassischer EHEC gezählt, so Franz Allerberger, Humanmedizin-Spezialist der AGES, am Mittwoch im Gespräch mit der APA. Ein Großteil gehe auf die Serogruppe O157 zurück, eine der am weitesten verbreiteten Untergruppen. In Deutschland werde nunmehr vermutet, dass es sich um die Serogruppe O104 handle, so der Experte.
"In Graz wird nach der Primärdiagnose durch den Arzt oder das Krankenhaus die Feintypisierung des Erregers vorgenommen. Das gibt Aufschluss über die Infektionsquelle und macht die Infektionskette nachverfolgbar", schildert Allerberger. "Alle Primärdiagnostiker müssen ihre Proben zu uns schicken", so der Bereichsleiter für Humanmedizin in der AGES.
Präventivprogramme in Tierpopulationen
Die häufigsten zoonotischen Infektionskrankheiten sind heutzutage bakterielle Infektionen mit den Durchfallerregern Campylobacter und Salmonellen, die für mehr als 90 Prozent aller Ausbrüche verantwortlich sind (davon gehen 60 Prozent auf Salmonella-Subspezies zurück). Zur Bekämpfung dieser Erreger kamen in den vergangenen Jahren gezielte Präventivprogramme in davon hauptsächlich betroffenen Tierpopulationen - wie Legehennen oder Masthühner - zum Einsatz. Im Bereich der Salmonellen seien daher die Fälle seit 2002 um 75 Prozent auf 2.000 Infektionen zurückgegangen.
Die Salmonella-Überwachung beim Geflügel wird in der Grazer Veranstaltung am 8. Juni ebenso Thema sein, wie die Kontrolle von Zoonosen in Futtermitteln als Präventionsmaßnahme sowie die generelle Risikobewertung von Zoonosen und ihren Erregern in Österreich.
















