Maria half vor 400 Jahren
Der Maler des Madonnenbildes konnte plötzlich wieder sehen und am 29. Mai 1611 wurde die Mariahilferkirche geweiht.

Foto © PrivatDie Mariahilferkirche mit alter Renaissancefassade ohne Türme von de Pomis (links), rechts im Barockstil
Eigentlich ist die Mariahilferkirche eine junge Kirche", erläutert Mariahilf-Experte Richard Szith trocken. "Fast jede Dorfkirche in der Steiermark ist älter - aber von einem Kaiser (Ferdinand II.) wurde nur eine einzige Grazer Kirche gegründet. Und sie ist auch die einzige, die von einem regierenden Papst (Pius VI.) besucht wurde."
Im Barock war die Mariahilferkirche nach Mariazell die zweitwichtigste Wallfahrtskirche des Landes. Vor allem für die südliche Steiermark war sie Anlaufstelle für alle Hilfesuchenden.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde sie als Klosterkirche der Minoriten errichtet, weil die Minderen Brüder ihr Kloster an die Franziskaner abtreten mussten. Wahrscheinlich hatte ihnen Seyfried von Eggenberg 1525 in der Murvorstadt eine einstweilige Bleibe zur Verfügung gestellt.
Im Kampf gegen Lutheraner
Historisch belegbar werden die Minoriten in Graz erst wieder mit der Stiftung von Kloster und Kirche durch Hans Ulrich von Eggenberg im Jahre 1607, berichtet Diözesanarchivar Alois Ruhri. Diese Stiftung war wie die Ansiedlung der Jesuiten Teil eines gewichtigen Maßnahmenpaketes im Kampf gegen die Reformation.
Giovanni Pietro de Pomis, der auch das Mausoleum errichtet hat, zeichnete für Entwurf und Bauleitung verantwortlich und malte das Madonnenbild, das am Hochaltar hängt. Seine Entstehung ist legendenumrankt: Als der Künstler seine Geldforderungen maßlos in die Höhe schraubte, erblindete er. Erst als er Maria um Hilfe anrief und auf alle Zahlungen verzichtete, konnte er wieder sehen. Doch in der Zwischenzeit waren die Antlitze der Gottesmutter und des Jesuskindes bereits "engelsschön" gemalt worden: Der Mythos von der helfenden Maria war geboren.
Die "nützliche" Pfarrkirche
Bereits am 29. Mai 1611 - vor 400 Jahren - konnte die Kirche feierlich geweiht werden. Und im Pestjahr 1680 pilgerten über 19.000 Gläubige nach Mariahilf zur "Stadtmutter von Graz", wie die Mariendarstellung auf dem Gnadenbild bald genannt wurde. Das änderte sich aber schlagartig, als Kaiser Josef II. sein Staatskirchentum einführte, Wallfahrten und Prozessionen großteils verbot und "unnütze" Klöster aufhob. Zwischen 1782 und 1789 wurden allein in Graz acht Klöster aufgehoben. Auch die Mariahilferkirche war gefährdet, wurde aber zur "nützlichen" Pfarrkirche umfunktioniert.
Heute erinnert eine Gedenktafel daran, dass im März 1782 Papst Pius VI. hier einem Gottesdienst beiwohnte. Er war auf dem Weg nach Wien, um Josef II. wegen der Klosteraufhebungen ins Gewissen zu reden. Es hat aber nichts genützt.
Features
400 Jahr-Festwoche
Freitag bis Sonntag Wallfahrtsdorf auf dem Mariahilferplatz
Freitag, 27. Mai, 19.30 Uhr Festakt "Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft" mit Weihbischof Franz Lackner, Pfarrer Petru Farcas, Alois Ruhri, Richard Szith. Grazer Streichquartett. Empfang des Bürgermeisters.
Samstag, 28. Mai, 20 Uhr Festkonzert
Sonntag, 29. Mai, 10 Uhr Festmesse mit Apostol. Nuntius Erzbischof Peter Zurbriggen und Diözesanbischof Egon Kapellari
















