Strom aus der eigenen Tasche
Noch ein wichtiger Anruf, aber der Handyakku piepst bereits und keine Steckdose in Sicht? Die neue multimediale Generation stößt tagtäglich an ihre Grenzen. Eine Grazer Entwicklung schafft schnelle Abhilfe - und noch dazu umweltfreundlich.

Foto © JaukFirmengründer Stefan Ponsold mit einem SunnyBag
Der Großteil der Menschheit will heutzutage immer und überall erreichbar sein. Smartphones, Tablets und Co. ermöglichen diesen Wunsch, doch auch sie sind nur nutzlose Hülle, wenn sie nicht mit Strom gefüttert werden. Abseits gewohnter Bahnen kann die Suche nach geeigneten Energiequellen schon mal zum Hürdenlauf werden. Schnellere Prozessoren, größere Displays, kurz mal seine Emails checken, einen Schnappschuss auf Facebook posten, die neue multimediale Usergeneration ist verwöhnt. "Das braucht extrem viel Strom", erkannte auch der aus der Obersteiermark stammende Stefan Ponsold (27) und machte sich auf die Suche nach einer Lösung für dieses Energie-Problem. Vor zweieinhalb Jahren erblickte der Prototyp seines SunnyBag das Licht der Welt. Letztes Jahr im September folgte die gleichnamige Firmengründung im Grazer Sciencepark.
"Jedes kleinste Milliwatt"
Das Geheimnis des SunnyBag? An der Außenseite der Umhängetaschen bzw. Rucksäcke sind biegbare, wasserfeste Solarpaneele angebracht. Ein Lithium-Ionen-Hochleistungsakku speichert "jedes kleinste Milliwatt", das durch die Paneele generiert wird. Dieser Akku ist wiederum mit einem USB-Ausgang versehen, über den sämtliche Mobiltelefone, mp3-Player, Navigationsgeräte, usw. jederzeit und überall geladen werden können. Das Besondere am Grazer Produkt ist, dass die Solarpaneele mit der so genannten Triple-Junction-Technologie arbeiten. Normales Tageslicht reicht aus, um den Akku aufzuladen. Direktes Sonnenlicht beschleunigt und verstärkt den Vorgang freilich. "Keine Spielereien" will Ponsold auf den Markt bringen, 15 Jahre Garantie auf die Paneele sprechen in dieser Hinsicht für sich. In nur zwei Stunden ist ein Akku voll. Dieser reicht aus, um beispielsweise ein iPhone4, komplett aufzuladen.
Neue Horizonte
"Wir punkten, wenn es um Autarkie geht", ist sich Ponsold sicher, nicht nur wenn es um Luxus geht. Gerade für Einsätze in Gebieten, wo es keine Stromquellen gibt, ist das Produkt ein idealer Helfer. Deshalb zählt unter anderem die NGO "Ärzte ohne Grenzen" zu seinen zufriedenen Kunden. "Nur um sein Mobiltelefon aufzuladen, zahlt es sich eben nicht, aus ein Dieselaggregat zu starten", so Ponsold. Beim SunnyBag passiert das Aufladen quasi nebenbei, sogar Defillibratoren schafft das System.
Nicht immer muss dabei eine Katastrophe oder ein Rettungseinsatz im Spiel sein. Auch für den Freizeitbereich eröffnet vor allem die Freizeit-Rucksack-Variante ganz neue Möglichkeiten. Bei Festivals, einsamen Ausflügen in die Berge oder am Jakobsweg muss man sich – den Sunnybag am Rücken – keine Gedanken mehr über das Aufladen seines Handys machen. Die Technik funktioniert sogar mit Navigationssystemen von Segelbooten oder Spiegelreflexkameras.
"Alltagsprobleme umweltfreundlich zu lösen"
"Alltagsprobleme umweltfreundlich zu lösen", dieser Leitgedanke lässt Ponsold immer weiter an seinen Produkten feilen. "Wir liebäugeln mit noch umweltfreundlicheren Lithium-Schwefel-Akkus", verrät er. Auch das Material der Taschen und Rucksäcke selbst wird mit Bedacht auf die Umwelt ausgewählt. So gibt es unter anderem eine Zusammenarbeit mit dem Grazer Arbeitsprojekt für Jugendliche "Heidenspass", wo Taschen aus alten Lkw-Planen geschneidert werden. Eine Ausgabe in Leder wurde in Kooperation mit der Schuhmanufaktur Ludwig Reiter gestaltet. Größere Aufträge werden freilich in China gefertigt. Ganz neu und noch nicht am Markt ist ein Rucksack, dessen Textil aus einem Maisstärke-Polymer besteht, also ganz ohne Rohöl auskommt. Neben ihrer Umweltfreundlichkeit punkten die Umhängetaschen und Rucksäcke mit ihrem ansprechenden und gut durchdachten Design. Die Business-Umhängetasche lässt sich mit wenigen Handgriffen auf einem Trolley fixieren, "damit man schnell durch den Flughafen flitzen kann", lacht Ponsold. Er selbst will sich, trotz der immer stärker werdenden Nachfrage, nicht "auspowern" und legt deshalb Wert auf ein "gesundes Wachstum" für sein Unternehmen.
Features
SunnyBag
Stefan Ponsold hat die Firma SunnyBag im September 2010 im Grazer Science Park gegründet.
Er absolvierte die HTL für Holztechnik. Derzeit macht Ponsold am Campus02 seinen Master im Studienlehrgang Innovationsmanagement.


















