Fliegen Friedensfetzen? Querelen um die Neue Galerie
Das Joanneum setzte mit Christa Steinle und Peter Weibel einvernehmlich einen unterschriftsreifen Vertrag auf. Jetzt soll doch wieder alles anders sein.

Foto © KanizajPeter Pakesch
GRAZ. Zuerst flogen die Fetzen. Dann die Friedenstauben. Und jetzt? Friedensfetzen? Bekanntlich hatte es Ende März rund um die notwendigen Sparpläne im Universalmuseum Joanneum und die Umstrukturierung der Neuen Galerie einen heftigen Streit gegeben, der in der Abberufung der angestammten Leiterin Christa Steinle und der folgenden Entlassung des Chefkurators Peter Weibel gipfelte.
Danach einigten sich Joanneum-Chef Peter Pakesch und die beiden im Büro von Landesrat Christian Buchmann doch auf weitere Kooperation, um u. a. die Ausstellungen im Jubiläumsjahr nicht zu gefährden, mit denen die übersiedelnde Neue Galerie im Joanneum-Hauptgebäude im November eröffnet werden soll: mit einer Personale über Hans Hollein, dem "Bruseum" (Museum für Günter Brus) und "Moderne, Selbstmord der Kunst?"
Details der Kooperation wurden letzten Mittwoch im Beisein des Joanneum-Aufsichtsratsvorsitzenden Franz Marhold und der Anwälte von Steinle und Weibel ausgehandelt. Pakesch und Geschäftsführer Wolfgang Muchitsch unterzeichneten, Steinles und Weibels Unterschriften sollten tags darauf folgen. Was bis gestern nicht geschah.
"Völlig unverständlich" ist für Pakesch nun, dass das Einvernehmen jetzt als "angebliche Einigung" kursiert und der im Büro Buchmann gefundene Kompromiss "vom Joanneum offenkundig selbst wieder aufgelöst wurde", indem man etwa Steinle als Stabstelle "ein Nichts, ein Büro im Exil" angeboten habe, wie die Grünen sagen. Sabine Jungwirth will jedenfalls heute im Landtag Kulturlandesrat Buchmann auffordern, "die Eröffnungsausstellungen und die Zukunft der Neuen Galerie sicherzustellen".
Buchmann erwartet sich ganz einfach, "dass es um die Sache geht". Etwaige immer noch vorhandene Befindlichkeiten versteht auch Pakesch nicht: "Wir sind die Verträge Punkt für Punkt durchgegangen, sind Steinle und Weibel - die sich danach auch nicht mehr an uns gewandt haben - noch weiter entgegengekommen". Für ihn seien "die ständigen Hindernisse" jedenfalls nicht nachvollziehbar. "Es geht doch, ganz im Sinne des sonst leidtragenden Joanneums, nur um das Programm".

















