Grazer Forscher fanden keine Belege für Blitze am Saturnmond Titan
Auf dem Saturnmond Titan werden zwar immer wieder Methanwolken gesichtet, Blitzentladungen scheint es aber nicht zu geben. Zu diesem Schluss kamen der Grazer Weltraumforscher Georg Fischer und sein amerikanischer Kollege Don Gurnett.

Foto © AP/Sujet
Die Wissenschafter haben die Messdaten der amerikanisch-europäischen Raumsonde Cassini nach Radiosignaturen von möglichen Titanblitzen untersucht - ohne fündig zu werden. Die Ergebnisse wurden jüngst in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" publiziert.
Der Saturn hat viele Monde, doch einer ist für die Forschung von besonderem Interesse: Titan - er verfügt über eine eigene Atmosphäre. "Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung von Leben", schildert Georg Fischer vom Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) am Mittwoch im Gespräch mit der APA. Seit dem Vorbeiflug der amerikanischen Raumsonde Voyager 1 im Jahr 1980 an Titan und erste Vermutungen über die Atmosphäre des Saturnmondes angestellt wurden, wird auch über die Existenz von Blitzentladungen in der Atmosphäre des größten Mondes des Planeten Saturn spekuliert. "Solche Entladungen hätten Auswirkungen auf die Chemie seiner Stickstoff-Methan-Atmosphäre, und es könnten dabei sogar organische Verbindungen entstehen, die als Vorläufer für die Entstehung von Leben gelten", erklärt Fischer.
Daten von Raumsonde Cassini
Fischer und sein Kollege vom Department of Physics and Astronomy an der Universität von Iowa haben die Daten des Instruments RPWS (Radio and Plasma Wave Science) an Bord der Raumsonde Cassini bis zu ihrem 72. Vorbeiflug am Titan ausgewertet. Trotz immer wieder mittels Infrarotaufnahmen erkennbarer konvektiven Methanwolken, die sich innerhalb weniger Stunden auch verändern, konnten keine elektrischen Entladungen nachgewiesen werden. "Daraus schließen wir, dass Blitze auf Titan entweder sehr selten sind oder einfach nicht existieren", erläutert Fischer. Er gibt die Hoffnung noch nicht auf: "Die Cassini-Mission läuft bis 2017 und es wird noch rund 50 weitere Vorbeiflüge an Titan geben, die uns innerhalb von wenigen Tagen bereits weitere Daten liefern werden", so Fischer auf Anfrage der APA.
Das RPWS-Experiment und Messinstrument ist eines der zwölf Experimente an Bord der Raumsonde Cassini. Es misst die Radiostrahlung in der Magnetosphäre des Planeten und die Gewitterblitze in der Saturn-Atmosphäre. Das Messsystem bestand aus drei Antennen sowie einem entsprechenden Empfänger. Am Grazer Institut wurden die Empfangsantennen kalibriert und Datenauswertungsprogramme entwickelt. Fischer ist Co-Investigator im RPWS-Experiment und war selbst bis 2008 in Iowa tätig.

















