"Gespielt wird auf dem Rasen, nicht mit dem Budget!"
Sturm-Präsident Gerald Stockenhuber über Titel, Geld, die Zukunft und - warum Sturm Graz besser ist als die Bayern.

Foto © Eder/KLZGerald Stockenhuber
Herr Präsident - wie schwer oder leicht fällt es derzeit, über Geld zu sprechen?
GERALD STOCKENHUBER: Leicht. Wir haben einen guten Vorstand, sind alle Wirtschaftstreibende und können Zahlen interpretieren. Wir wissen, was wir ausgeben dürfen und was wir einnehmen.
Im Fußball gibt es aber immer wieder Personen, die dazu neigen ein bisserl mehr auszugeben, weil es sich vielleicht auszahlen könnte.
STOCKENHUBER: Das habe ich schon zu Beginn meiner Amtsperiode gesagt: Gespielt wird auf dem Rasen, aber nicht mit dem Budget.
Um wie viel geringer wird das Budget in der kommenden Saison denn nun wirklich ausfallen?
STOCKENHUBER: Gar nicht. Das Budget ist gleich geblieben.
Wie hoch ist es?
STOCKENHUBER: Elf Millionen. Ohne internationalen Startplatz. Sollten wir eine Gruppenphase im Europacup erreichen, steigt es dementsprechend. Um ein, zwei Millionen.
Bleiben wir beim Geld. Wird es einen Vertrag mit Magna geben - und wenn ja, in welcher Form?
STOCKENHUBER: Nächste Woche kommt Frank Stronach, dann wird alles Weitere bekannt gegeben. Mehr kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.
Wenn das Budget gleich bleibt. Warum kann man sich den bestehenden Kader nicht mehr leisten?
STOCKENHUBER: Wir waren in der Saison 2009/10 mit der Gruppenphase der Europa League 20 Prozent über dem Budget. Der Vorstand hat bei Amtsantritt erkannt: Wir müssen jetzt aufpassen. Auch, weil wir die Spielerverkäufe, die es damals gab, nicht mehr haben. Jetzt befinden wir uns in einer Konsolidierungsphase. Das heißt: Wir haben das Budget 2010/11 ein bisschen reduziert - auch das 2011/12. Dann ist Sturm konsolidiert.
Und schuldenfrei?
STOCKENHUBER: Sturm hat keine Schulden.
Warum hat sich die Causa Oliver Kreuzer eigentlich so lange hingezogen. War das auch ein Teil der Konsolidierungsphase?
STOCKENHUBER: Das war mein präsidialer Erstjahresfehler. Es ist meine Schuld, dass ich nicht klar gesagt habe: Diese Causa wird erste im April besprochen und davor gibt es nichts. Der Sportdirektor ist eine tragende Position im Verein. Man muss sich einig sein, wo man gemeinsam hingeht. Das hat gedauert.
Können Sie uns uns verraten, wie viel ein Titel kosten würde?
STOCKENHUBER: Eine fünfprozentige Budgeterhöhung.
Eine schnelle Rechnung: 550.000 Euro. Und Sie bleiben dabei: Sturm kann sich den Titel leisten?
STOCKENHUBER: Sturm wird sich das leisten. Ohne Wenn und Aber. Auch wenn der Titel, trotz aller kaufmännischen Vorsicht, nicht budgetiert war. Das wäre ja vermessen. Wir müssen eben daran arbeiten, wo wir diese Ausgaben kompensieren können. Es würde kein riesiges Loch reißen.
Die mögliche Meisterfeier ist in den 550.000 Euro enthalten?
STOCKENHUBER: Das Wort Meister nimmt der Vorstand noch nicht in den Mund. Wenn es so weit ist, hoffen wir, dass uns die Sponsoren unterstützen, ich rechne damit, dass ganz Graz und die Steiermark mithilft. Wir haben den Tisch reserviert, das Menü aber noch nicht ausgesucht.
Wie ist das Ansehen als möglicher Meister-Präsident?
STOCKENHUBER: In bin stolz, dass es in meinem ersten Jahr eine sehr erfolgreiche Phase gibt und das Ziel, das wir definiert haben - die Top Drei - in greifbarer Nähe ist. Wenn wir es erreichen, bin ich sehr stolz auf die Mannschaft und das gesamte Team im Verein.
Wann und wie werden die Spieler-"Baustellen" beseitigt?
STOCKENHUBER: Wir haben keine Baustellen.
Um nur vier zu nennen: Haas, Muratovic, Kienzl, Feldhofer.
STOCKENHUBER: Das ist Sache der sportlichen Leistung. Aber: Jeder Verein hätte gerne einen Muratovic oder Haas als Backup-Spieler. Es ist alles eine Frage des Geldes.
Der Vorstand mischt sich in Vertragsgespräche nicht ein?
STOCKENHUBER: Wir machen ja auch keine Mannschaftsaufstellung. Aber der Präsident redet natürlich mit den Spielern.
Bei Ein- und Verkäufen ist der Vorstand aber schon involviert, oder?
STOCKENHUBER: Ja natürlich.
Sind Einkäufe geplant?
STOCKENHUBER: Derzeit nicht. Wir haben aber, wie alle Klubs, ja noch eine dreimonatige Transferphase vor uns. Klar ist: Wir haben unser Pulver noch nicht verschossen.
Der Name Heinz Palme ist einige Zeit als General Manager bei Sturm gehandelt worden. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?
STOCKENHUBER: Wir hatten ein sehr konstruktives Gespräch, haben aber keine Einigung gefunden. Man muss aber nach wie vor sagen: Sag niemals nie.
Mit Leitgeb, Prödl, Jantscher, Beichler hat Sturm aus wirtschaftlichen Gründen viel "Tafelsilber" verkauft. Klafft derzeit ein Loch bei der Jugend?
STOCKENHUBER: In der Vergangenheit mussten wir ja mit Jungen spielen. Da war es auch kein Problem, wenn man um die Plätze acht und neun gespielt hat. Das reicht jetzt aber nicht mehr, die Erwartungshaltung ist höher, die Jungen haben es schwerer, bekommen weniger Zeit. Aber mit Kainz und Klem haben wir heuer wieder zwei Spieler integriert. Wenn man hört, dass Bayern München glücklich ist, wenn ein Jugendspieler pro Jahr in die Kampfmannschaft kommt, sind wir ja ohnehin doppelt so gut wie die Bayern.














