Wo der Kampf gegen Promille ansetzen muss
Experten fordern Suchtprävention schon im Kindergarten. Doch wie soll man den Kleinen beibringen, wie schädlich Alkohol sein kann?

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Beide hatten sie mehr als zwei Promille, beide leerten eine Flasche Wodka im Alleingang: Ein 13-jähriger Salzburger liegt noch immer auf der Kinderklinik, ein zehnjähriger Schüler aus Gratwein hat den Spitalsaufenthalt schon hinter sich. Und die Experten warnen und mahnen: Prävention müsse schon im Kindergartenalter beginnen!
Am fehlenden Angebot liegt es jedenfalls nicht, dass nicht schon bei den Kleinsten der Kampf gegen Alkoholmissbrauch aufgenommen wird. "Seit nunmehr 15 Jahren bilden wir Eltern, Kinderpädagoginnen, Sporttrainer und Lehrer aller Schulstufen aus", sagt Claudia Kahr, Leiterin von Vivid (Fachstelle für Suchtprävention in der Steiermark). Grenzen setzen vielmehr die knappen Geldmittel, auch das Interesse der Lehrer ist nicht gerade riesig: So startete das Gesundheitsministerium Ende März die Suchtpräventionskampagne "echt cool" für Volks- und Hauptschüler, bis jetzt haben aber erst zwei steirische Volksschulen Infomaterial angefordert.
Ist es daher sinnvoll, schon im Kindergarten über Alkohol zu sprechen? "Es geht darum, so früh wie möglich grundlegende Verhaltensweisen zu vermitteln", betont Kahr, "Lebenskompetenzen", wie sie es nennt. Freilich ist für die Kleinsten noch nicht der Alkohol erster Problemlöser und Zeitvertreib, sie flüchten stattdessen vor den Fernseher oder zu den Süßigkeiten. Die Muster zum späteren Missbrauch werden aber bereits hier gelegt. Vivid begegnet dem mit Projekten wie dem "spielzeugfreien Kindergarten". Dabei werden drei Monate lang vorgefertigte Spiele weggeräumt, was die Kreativität der Kinder und die Kommunikation untereinander anregen soll.
Wichtiger noch ist aber, was im Elternhaus passiert. Den Erstkontakt mit Alkohol haben Kinder in der Regel in der Familie. Auch wenn er nicht schmeckt, die Kleinen sehen, was er Positives bewirkt: die gut gelaunten Eltern, die tolle Stimmung. Experten fordern in diesem Fall nicht Abstinenz, sondern Ehrlichkeit ein: "Man soll sagen, heute gibt es Alkohol, das gehört zum Feiern dazu. Aber auch die negativen Konsequenzen sollen angesprochen werden", so Kahr. Es gehe darum, Kindern einen verantwortungsvollen, genussvollen Konsum von Alkohol vorzuleben.
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Nur wenige Krankenhäuser führen Rauschstatistiken. Die Grazer Kinderklinik gehört dazu.
Im Jahr 1991 wurden hier erst zwei Fälle registriert, 2001 waren es 152, 2008 schon 176, ein Jahr später 238, im Vorjahr 267.
















