130 Jahre im Dienst der Blinden
Das Odilien-Institut in Graz ist die einzige Einrichtung für blinde und sehbehinderte Menschen im Süden Österreichs. Morgen wird es 130 Jahre alt.

Foto © ODILIEN-INSTITUTDie lange Tradition der Möbelflechterei hält bis heute
Genau vor 130 Jahren, als am 10. Mai 1881 Kronprinz Rudolf und Prinzessin Stephanie von Belgien Hochzeit feierten, wurde unter ihrer Patronanz auch das Odilien-Institut in Graz eröffnet. Waren es vor 130 Jahren nur blinde Buben und Mädchen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren, die in der Volksschule und im Internat des Odilien-Instituts Aufnahme fanden, sind es heute jährlich zwischen 800 und 1000 Menschen mit Sehbehinderung, Blindheit oder Mehrfachbehinderung, die von 230 Mitarbeitern des Instituts ausgebildet, beraten und betreut werden.
Noch heute, nachdem das Odilien-Institut in diesen 130 Jahren fünf Währungsumstellungen, zwei Weltkriege und zwei Wirtschaftskrisen überstanden hat, ist man die einzige lebensbegleitende Einrichtung für Menschen mit Sehbehinderung im Süden Österreichs. "Ziel ist es, diese Menschen auf ein Leben in größter Selbstständigkeit vorzubereiten", sagt Peter Haberer, der heutige Leiter des Odilien-Instituts. Es brauche aber immer auch eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit, um auf die Leistungen und Herausforderungen dieser Menschen hinzuweisen.
Trainingswohnungen
10.000 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche umfasst das Odilien-Institut. In Trainingswohnungen erlernen Sehbehinderte und Blinde tägliche Routineabläufe. Am Ausbildungsprogramm stehen Pflicht- und Berufsbildende Schulen, wo Berufe wie Metall- und Fertigungstechniker, Korb- und Möbelflechter, Weber und Informationstechniker erlernt werden. Die handgefertigten Gebrauchs- und Ziergegenstände werden auch im hauseigenen Laden verkauft.
Die geschickten Hände von seh- und mehrfachbehinderten Möbelflechtern des Odilien-Instituts sind es auch, die als Einzige im südlichen Österreich die komplizierten Flechteinsätze der begehrten und geschätzten Thonet-Sessel sowie anderer Möbelklassiker reparieren können.
Morgen steht Feiern auf dem Programm, dazu gibt es einen Tag der offenen Tür (siehe oben).
















