Höchste Ehre für den "Schatzsucher"
Stefan Karner, Wissenschaftler von Weltformat, erhält am Mittwoch in Graz das große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Foto © Markus Traussnig/Kleine ZeitungStefan Karner
Der Anfang einer großen Forscherkarriere liegt manchmal in einer kleinen Holzkassette. Darin lag die Chronik des kleinen Ortes St. Jakob bei Völkermarkt (Kärnten), allerdings immer gut versperrt. Bis es ein kleiner Bauernbub nach einigen Anläufen doch schaffte, sie zu öffnen. Und seinen ganz persönlichen Schatz fand, der ihn nie wieder losgelassen hat - die Geschichte. Wer der kleine, neugierige Bub war? Stefan Karer, heute hochdekorierter Wissenschaftler von Weltrang, Professor an der Uni Graz und Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung. Ab Mittwoch ist er um noch einen Titel reicher: Träger des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich.
"Selbstverständlich bin ich ein bisschen aufgeregt. Routine stellt sich bei solchen Zeremonien ja nie ein", lacht der Historiker. Vor genau 20 Jahren begann er als erster westlicher Wissenschaftler im sowjetischen Ministerrat in Moskau mit der Aufarbeitung der Schicksale von Zigtausenden Kriegsgefangenen. Mit einer der Gründe, warum er nun die höchste staatliche Auszeichnung erhält.
"Geschichte ist die Basis für die Gegenwart. Sie hat ihr Geheimnis, ihre Reize, gerade wenn sie nicht glatt ist", erklärt Karner seine große Leidenschaft, die zu seiner Berufung wurde. Ein Grund, warum er durch seine Arbeit auch bei anderen Menschen Interesse für die Thematik wecken will. Ob im Rahmen seines Lehrauftrags an der Universität oder als Leiter des medienkundlichen Lehrgangs. "Das Feuer für die Arbeit muss von innen kommen", erklärt der Professor.
Die Freude am Lernen und Entdecken begleitet ihn schon sein ganzes Leben. Eine Freude, die er auch der jungen Generation vermittelt. "Oft glaubt man, Geschichte ist etwas für Verstaubte. Ich kann nur sagen, dass ich ein sehr junges Team rund um mich habe", lacht er. Stellvertretend für dieses will er auch den Preis entgegen nehmen.
Suche geht weiter
Woher schöpft ein Mann, der scheinbar rund um die Uhr auf "Schatzsuche" ist, seine Kraft? "Von meiner Familie. Ich freue mich besonders, dass bei der Preisverleihung neben meiner Frau, den Kindern und Enkerln auch meine Eltern dabei sein werden", meint Karner. Einer der Laudatoren wird Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sein.
Die feierliche Zeremonie ist aber keineswegs der Abschluss von Karners Karriere. Neben seinen unzähligen Positionen, die er innehat, wird weiter geforscht. Im Juli startet etwa das nächste internationale Projekt für ihn. "Es geht dabei um den Umbruch in Osteuropa aus der Sicht Moskaus", berichtet er. Schätze liegen in den Archiven nämlich noch viele vergraben. Und Karner will sie alle finden.
Features
Zur Person
Stefan Karner wurde 1952 in St. Jakob bei Völkermarkt geboren. 1972 übersiedelte er nach Graz. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder und zwei Enkel.
Der Historiker ist unter anderem stellvertretender Vorstand des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte der Uni Graz, Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts, sitzt in der ECRI-Comission des Europarates.
















