U-Häftling kletterte auf Gerichtsgebäude
Mehr als eine Stunde lang saß der 21-jährige Weststeirer auf einem Sims im zweiten Stock des Grazer Landesgerichts. Dann holte ihn die Cobra herunter.

Foto © MarcherPolizeiaufgebot vor dem Landesgericht
Polizeiautos vor dem Justizgebäude, Polizeifahrzeuge und ein Feuerwehrauto in der Einfahrt zur Justizanstalt Graz-Jakomini, Justizwachebeamte vor den Eingängen und gegenüber am Straßenrand - den Blick auf das eingerüstete Grazer Landesgericht geheftet. Er sorgte am Freitag für einiges Aufsehen, der Einsatz in der Conrad-von-Hötzendorfstraße in Graz. Doch den Grund für das Aufgebot an Einsatzkräften konnte keiner der Schaulustigen sehen: Das Geschehen spielte sich nämlich im Innenhof ab.
Mauersims
Dort saß ein 21-jähriger U-Häftling in luftiger Höhe auf dem Mauersims vor einem vergitterten Fenster. "Der Mann war vom Hof aus, wo er spazieren gehen sollte, über die Fassade bis in den zweiten Stock hinaufgeklettert", berichtet Oberstleutnant Heribert Fuik von der Verhandlungsgruppe Süd der Polizei. Der Grund dafür: Er findet seine U-Haft ungerecht, fühlt sich überhaupt ungerecht behandelt. Mehr als eine Stunde lang dauerten die Verhandlungen mit dem jungen Weststeirer. "Zuerst sprach die Gerichtspsychologin, die ihn schon kannte, durch das Fenster mit ihm. Dann wir", so Fuik. Nach rund zehnminütigem Gespräch mit dem Chefverhandler gab der U-Häftling schließlich auf. Cobra-Beamte, die zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Dach des Gerichtsgebäudes waren, seilten den 21-Jährigen dann mittels Dreieckstuch ab. Wenig später saß der Mann, der Freiklettern als sein Hobby bezeichnet, wieder in seiner Zelle ein.
Der 21-Jährige hatte erst Anfang April für Schlagzeilen gesorgt, als er einen Amoklauf androhte, bei dem er "mehrere Leute umlegen" werde. Die Mordgruppe des Landeskriminalamtes nahm die Ermittlungen auf. Dabei stellte es sich heraus, dass der Weststeirer bereits seit Jahresbeginn seinen Freundeskreis und vor allem seine Ex-Freundin immer wieder terrorisiert und bedroht hatte. Weil aber alle Angst vor ihm hatten, wagten sie es vorerst nicht, Anzeige zu erstatten. Doch auch als Tierquäler war der arbeitslose Mann in Erscheinung getreten. So hatte er sich aus Hass auf die Ex-Freundin in den Reitstall geschlichen und bei ihrem Pferd alle vier Hufeisen heruntergerissen, wobei das Tier schwer verletzt wurde. Auch seinen eigenen Hund soll der Mann gegen die Wand geworfen haben.













