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    Zuletzt aktualisiert: 15.04.2011 um 15:36 UhrKommentare

    "Enron": Katastrophe durch die Gier großer Kinder

    Lucy Prebbles "Enron" am Schauspielhaus Graz: In Cornelia Crombholz' zügiger Interpretation wird die Chronik eines Wirtschaftsskandals zum schrillen Familiendrama.

    Foto © Peter Manninger / Schauspielhaus Graz

    Aktienmärkte basieren auf dem Vertrauen der Anleger: in das Unternehmen, in dessen Analysten, Banken, Wirtschaftsprüfer. 2001 wurde dieses Vertrauensverhältnis so gründlich zerstört wie kaum je zuvor, als öffentlich wurde, dass das Management des US-Energieriesen Enron noch im vollen Bewusstsein des nahenden Zusammenbruchs Mitarbeitern und Kleinanlegern den Aktienankauf empfohlen hatte. Kurz darauf standen Zehntausende ohne Job und Altersvorsorge auf der Straße.

    "Enron", das 2009 uraufgeführte Stück der jungen Britin Lucy Prebble, analysiert die Wirkmechanismen dieser aus menschlicher Hybris und Gier fabrizierten Wirtschaftskatastrophe, Regisseurin Cornelia Crombholz baut daraus eine bittere, grelle Farce über die infantile Triebbefriedigung großer, mächtiger Kinder, bunt garniert mit glitzernden Revuegirls, Animationsfilmen und Live-Einspielungen.

    "Wir müssen die Profite nutzen, die wir erst noch machen werden." Jeffrey Skilling (Sebastian Reiß), CEO von Enron, stellt diese Forderung auf. Sie markiert den Beginn einer Entwicklung, die in eine grandiose Schachtelkonstruktion aus Schattenfirmen münden wird, in der sich Kapital und Schulden dann doch nicht ewig hin- und herschieben lassen. Und in der Enron (keine Autorenfantasie) sogar versuchen wird, mit Naturphänomenen wie dem Wetter zu handeln.

    Glaubenssystem

    Wirtschaft ist ein Glaubenssystem, so eine Grundthese des Stücks. Man müsse "den Menschen etwas geben, das sie nicht anfassen können", fantasiert folgerichtig Skilling, von Reiß mit vibrierend nervöser Energie gespielt. Onkelhafte Unterstützung erfährt seine anmaßende Vision durch den Firmenchef Ken Lay (Gerhard Balluch), Sperrfeuer durch Rivalin Claudia Roe, von Martina Stilp zu souveräner Kälte stilisiert. Skilling zur Seite steht Andy Fastow, der in Gustav Koenigs diskreter Interpretation vom perfekten Untertanen zum fast perfekten Finanzjongleur mutiert und der in seinem Rechenkeller "Raptoren" züchtet: Schuldenfresser als etwas aufdringliche Sinnbilder für die unverstellte Gier der Enron-Spitze, die in Prebbles' auf Hochglanz gebürstetem Wellmade-Play mehr ein Familiendrama zu durchleben scheint als einen Wirtschaftsskandal. Das ist das schlichte Fazit des Abends: dass hier Leute am Werk waren, die alles hatten - außer Unrechtsbewusstsein.

    Gestützt von einem blendend disponierten Ensemble (angeführt von Rudi Widerhofer und Claudius Körber) und einer ständig in unbehaglicher Bewegung befindlichen, grandiosen Bühnenkonstruktion (Marcel Keller), gelingt dieser Reflexion über ein sprödes Thema trotz drei Stunden Dauer außerordentlicher Unterhaltungswert. Wirtschaft kann man eben auch als Form von Welttheater sehen. Freundlicher Applaus.

    UTE BAUMHACKL

    Enron" von Lucy Prebble

    Regie: Cornelia Crombholz

    Nächste Vorstellungen am 20., 21. und 27. April, 7., 10. und 20. Mai 2011, Grazer Schauspielhaus

    Karten unter Tel. 0316/8000 oder tickets@buehnen-graz.com

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