Eklat um Rektorswahl an Kunstuni
Nach der Entscheidung des Uni-Senates am Dienstag, den amtierenden Rektor Georg Schulz nicht in den Dreiervorschlag zu nehmen, kündigt sich eine heftige Schlammschlacht an.

Foto © Hoffmann Noch-Rektor Georg Schulz
Nein, piano piano, also leise, geht es heuer bei der Rektorswahl an der Grazer Kunstuniversität nicht ab. Im Gegenteil: Nach der Entscheidung des Senates, den amtierenden Rektor Georg Schulz nicht mehr zu Wiederwahl zuzulassen, gehen die Wogen hoch. Leiter von 11 der 17 Institute haben an den Senat einen Brief mit der "größten Verwunderung" über diese "irritierende Vorgangsweise", die dem "Wohl der Gesamtuniversität schadet", formuliert.
Misstrauensvotum
Schulz kann eigentlich nur "begründet" vom Dreiervorschlag ausgenommen werden. Diese Begründung wurde am MIttwoch vom Senats-Vorsitzenden Franz Kerschbaumer dem Uni-Rat übermittelt, aber nicht veröffentlicht. Der Widerstand "irritiert mich nicht", sagt Kerschbaumer, von den 350 Mitarbeitern hätten nur 20 unterschrieben.
Dennoch kommt jetzt vor allem Kerschbaumer unter Beschuss. Gegen ihn steht jetzt ein Misstrauensvotum im Raum. Kerschbaumer hatte vor vier Jahren, bei der letzten Rektorswahl, gegen Schulz verloren. Viele sehen in dem Dreiervorschlag - Frank-Thomas Mitschke (Musikschule Leipzig), Franz Karl Praßl (hausintern) und Stefan Schön (Musikuni Wien) - einen persönlichen Rachefeldzug, der von langer Hand vorbereitet sei. Professor Edward Anthony Partyka (Jazz-Institut) fasst die Stimmung so zusammen: "Viele Leute im Haus sind verzweifelt."
Der Betriebsrat spricht in einem Brief von einer "nicht nachvollziehbaren Entscheidung". Professor Alois Sontacchi (Institut für Elektronische Musik und Akustik) hofft, "dass der Senat in sich geht". Jazz-Professor Karlheinz Miklin nimmt sich kein Blatt vor den Mund: "Zwei der drei Namen - Schön und Mitschke - auf diesem Vorschlag sind eine Zumutung und indiskutabel für unser Haus."
Konsterniert ist man auch im Uni-Rat, der schon vorweg Georg Schulz das Vertrauen ausgesprochen hat. Dies in Abstimmung mit dem Ministerium, wie Uni-Rats-Vorsitzende Reingard Rauch erklärt. Möglicherweise muss das Ministerium sogar als Schiedsrichter auftreten. "Ich habe bis zuletzt gehofft, dass der Senat Verantwortungsbewusstsein hat", bedauert Rauch. Schulz selbst sagt, er "habe nicht vor, durch Streitereien die Uni zu beschädigen". Andererseits fühle er sich jenen, die ihn unterstützen, verpflichtet. "Für eine sachliche, zukunftsträchtige Arbeit stehe ich zur Verfügung."
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FAKTEN
Bei der Rektorswahl an der Kunst-Uni Graz tobt seit Monaten ein erbittertes Tauziehen zwischen Uni-Rat und -Senat. Der Uni-Rat will Schulz verlängern, der Senat nicht.
Im Herbst setzte sich der Senat durch, das Amt musste ausgeschrieben werden.
Als sich Senats-Chef Franz Kerschbaumer und Rats-Chefin Reingard Rauch nicht einigen konnten, legte sich der Uni-Rat einstimmig auf Schulz fest. Der Senat konterte am Dienstag und erstellte einen Dreiervorschlag ohne Schulz.
Das geht allerdings nur "begründet". Die Begründung könnte angefochten werden, dann muss das Ministerium entscheiden.
Letztlich muss der Uni-Rat aus dem Dreiervorschlag einen Rektor für 2011 bis 2015 wählen.















