Poesie als Privatrezept
Geschichten, die nur ein bewegtes Leben schreibt: Der Grazer Internist Albert Holler (56) sorgt mit seinem literarischen Debüt für Furore.

Foto © KanizajFand eine neue Bleibe in der Literaturlandschaft: Albert Holler (56), der spät berufene Dichter
Großes literarisches Potenzial schlummerte schon lange in ihm, spät, aber nicht zu spät, hat er es auf eindrucksvolle Weise zum Leben erweckt.
"Entfernte Heimkehr" betitelt sich der Debütroman des Grazer Internisten Albert Holler, erschienen im Residenz-Verlag. Auf die Lobeshymnen reagiert der spät berufene Dichter, der zum Glück die Poesie als wichtiges Privatrezept entdeckte, fast scheu und äußerst bescheiden.
Die Literatur beschäftigte den Bernhard- und Ransmayr-Verehrer schon seit seiner Jugend, nun setzte er sein Credo in die Tat um: "Literatur hat die Aufgabe, Geschichte und Geschichten zu erzählen." Sein Buch ist ein exemplarischer Beweis dafür. Holler erzählt die Geschichte seines aus Maribor stammenden Vaters, die sich als Odyssee durch die europäischen Chaos- und Kriegsjahre in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erweist.
Vergleiche mit Werken von Doderer drängen sich auf, der große Literat Walter Kappacher, auch einer der Stillen und Bescheidenen im Lande, zeigte sich restlos begeistert über diese in scheinbar schlichten, aber enorm vielschichtigen Sätzen zu Papier gebrachte Schicksalssymphonie über Heimatlosigkeit und Entwurzelung von einem, der kein Mitläufer, sondern notgedrungen ein um das eigene Überleben kämpfender Mitstolperer ist.
Ein Schicksal, das Albert Holler, in sanfterer Form, teilt. Er wuchs in Kaprun auf, lebte in den Schulferien bei seiner italienischen Mutter in Triest und kam 1966 nach Graz, wo er ebenfalls familiäre Wurzeln hat. "Patriotismus ist mir daher etwas Fremdes geblieben", sagt Holler, der eine neue Bleibe fand - in der Literaturlandschaft. Dort, das erkennt man nach wenigen Sätzen, fühlt er sich wunderbar geborgen. Lesung: Albert Holler (gemeinsam mit Max Blaeulich), heute, Dienstag, Literaturhaus Graz, Elisabethstr. 30 a (20 Uhr).
Features
Zur Person
Albert Holler, geboren am 17. 9. 1955 in Kaprun, Salzburg.
Lebt seit 1966 in Graz, seit 1992 ist er als Internist tätig. Er ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen.
Sein viel gelobter Debütroman "Entfernte Heimat" erschien im Residenz-Verlag (21,90 Euro).

















