"Die Fans haben sich verändert"
Rapid gegen Sturm. Leckerbissen oder Risiko-Spiel? Ein Fußball-Abend mit den Männern der Wega.

Foto © GEPAWenig Arbeit für die Wega an diesem Abend
Die Spezies der Fußball-Fans hat sich verändert. Das gilt auch für die Sturm-Anhänger. "Früher, in den Champions League-Zeiten von Ivica Vastic, Mario Haas und Co., da haben wir uns immer auf die Grazer Fans gefreut", sinniert Ernst Albrecht, Kommandant der Wiener Einsatzeinheit Wega.
Mario Haas steckt immer noch im Sturm-Dress. Aber jene, die ihm und seinen Kollegen auf den Tribünen huldigen, sind aus Sicht des Polizisten anders als früher - gewaltbereiter. In ganz Österreich, bei jedem Verein. Deshalb ist für die Polizei Rapid gegen Sturm nicht nur ein normaler Bundesliga-Hit, sondern ein Risiko-Spiel. Auch diesmal.
Samstag Nachmittag, 16 Uhr. Zweieinhalb Stunden vor dem Anpfiff herrscht vor dem Hanappi-Stadion noch Ruhe. Durch die Gassen und Wohnblocks in Wien-Hütteldorf pfeift ein schneidiger Westwind. Nicht weniger schneidig: die Hundertschaft der Polizei, die bereits rund um die Arena in Stellung gegangen ist.
Wie viele es genau sind, will man nicht verraten, "der Anteil der Wega-Leute ist aber gering", verrät Albrecht. Seine Leute greifen nur ein, wenn sie von den Kollegen angefordert werden. Die Männer fürs Grobe halten sich dezent im Hintergrund. Die Stimmung ist gelöst. Man steht zusammen, der eine oder andere zündet sich noch eine Zigarette an. Rund 15 Kilo wiegt die Ausrüstung. Und dennoch: Neun Beamte mussten in den vergangenen drei Jahren wegen eines Knall-Traumas den Dienst bei der Wega quittieren. "Ausgelöst durch Böller von Fußball-Fans", erzählt Albrecht. Da hilft die beste Ausrüstung nichts.
17 Uhr. Schlagartig kommt Bewegung ins Geschehen. Absperrgitter werden zurechtgerückt, die Beamten nehmen Aufstellung. Die 13 Busse der Sturm-Fans rollen an. Es läuft alles planmäßig und ruhig. Von zwei "vorlauten" Grazern werden die Personalien aufgenommen, das war's. "Gewalttätige Fans sind nicht einer gewissen Schicht zuzuordnen. Wir hatten sogar schon einen Staatsanwalt als Hooligan", schildert Albrecht.
Es ist 20.10 Uhr - die 85. Minute im Spiel. Sturm führt 2:0. Frustrierte Rapid-Fans versuchen, die Grazer zu provozieren. Es fliegen Bierbecher. Die Polizei geht im Sektor in Stellung, drängt die Provokateure nach dem Schlusspfiff Richtung Ausgang. "Eine kleine Taucherei" nennt das Albrecht, "nicht mehr".
21.15 Uhr. Die Sturm-Busse setzen sich mit ihrem siegestrunkenen Inhalt in Bewegung zurück nach Graz. Die Polizisten nehmen die Helme ab, die Mienen entspannen sich.
Die Bilanz des Abends: zwei festgenommene Rapid-Fans. Ein vergleichsweißer ruhiger Abend für ein Risiko-Spiel. Diesmal.















