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Zuletzt aktualisiert: 07.04.2011 um 23:03 UhrKommentare

"Die SPÖ muss Herztöne senden"

Karl-Heinz Herper: Das Urgestein der Grazer SPÖ über seinen Abschied als Stadtrat, den Zustand der Partei und die Hochzeit.

Karl-Heinz Herper

Foto © KanizajKarl-Heinz Herper

Herr Herper, das Wichtigste vorweg: Gratulation zur bevorstehenden Hochzeit.

KARL-HEINZ HERPER: Vielen Dank. Ja, am 16. April ist es für mich und meine Gertrude so weit. Wir lieben einander und es passt. Ich war ja schon einmal verheiratet, bin aber stets bereit, zu neuen Ufern aufzubrechen (lacht).

Wenn man so will, waren Sie aber jahrzehntelang mit der SPÖ "verheiratet". Wie ist denn der aktuelle Stand der Beziehung?

HERPER: Es war Liebe auf den ersten Blick, ausgelöst durch Bruno Kreisky. Ich stamme auch aus einer sozialdemokratischen Familie, politisch aufgeweckt hat mich dann das Kennedy-Attentat. Für mich war immer eine Grundloyalität gegenüber der Partei wichtig. Nicht unkritisch, aber loyal.

Wie kritisch sehen Sie nun den geplanten Neustart der Grazer Roten unter Edmund Müller?

HERPER: Siegfried Nagl hat ja seit Jahren keinen Herausforderer. Er lässt sich gut beraten, pflegt sein Image. Der Edi Müller könnte nun dieser Herausforderer sein, ich traue ihm das zu. Dazu gehört aber auch eine kompakte Grazer SPÖ. Wir müssen Emotionen wecken, Herztöne aussenden und wieder auf das Bauchgefühl der Grazer achten. Ja, es wird ein Crashkurs, viel Zeit ist nicht. Aber es kann sich ausgehen.

Zuletzt sorgte aber die leidige Causa "Müllers Pension" für Misstöne. Wäre nicht Klarheit angesagt gewesen, noch bevor Müller ins Rampenlicht getreten ist?

HERPER: Ja. Man hätte von vornherein alles regeln sollen. Und dann schneller reagieren und eine Argumentationslinie finden müssen, die die Leute verstehen.

Wie sehr haben Sie eigentlich unter den parteiinternen Querelen der jüngsten Zeit gelitten?

HERPER: Sehr. Wobei mich seinerzeit der Konflikt der Landespartei mit Alfred Stingl ebenso geschmerzt hat wie der fast irrationale Kampf Elke Edlinger gegen Wolfgang Riedler. Das war ja wie bei "Kramer gegen Kramer". Andererseits war es diese List der Geschichte, ums mit Hegel zu sagen, die mich vorübergehend an die Parteispitze beförderte.

Wollten Sie nie an die Spitze gewählt werden? Für längere Zeit?

HERPER: Sicher. Ich hab's ja 1998 auch probiert, bei der Kampfabstimmung mit Tatjana Kaltenbeck und Kurt Gennaro. Aber es hat nicht gereicht. Und jetzt, nach Edlinger und Riedler, war klar, dass ich nicht mehr antrete. Man kann sich mit 65 Jahren eine zweite Ehe zumuten, aber keine Spitzenkandidatur (lacht).

Am heutigen Freitag schmeißen Sie eine kleine Abschiedsparty, am 14. April haben Sie den letzten Arbeitstag als Stadtrat. Hat Ihre politische Laufbahn eigentlich ein Ablaufdatum?

HERPER: Ich bleibe ja Gemeinderat und auch Klubobmann. Und zwar bis zur Wahl 2013. Wir wagen einen Neustart, aber da ist auch Erfahrung gefragt.

INTERVIEW: MICHAEL SARIA

Zur Person

1946 wurde Herper in Grafenstein (Kärnten) geboren. Seine Karriere begann 1965 - bei der "Kleinen Zeitung" in Graz.

Ab 1978 bei der SPÖ. 1996 verpasste Herper den Einzug ins EU-Parlament. Seit 1998 Klubchef.

Nach dem Streit Edlinger-Riedler war er Kurzzeitparteichef, bis 14. April ist er noch als Stadtrat tätig.

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