Sekte will den Papst vor Strafgerichtshof sehen
Plakate erregen derzeit in Graz und anderen Städten Österreichs Aufmerksamkeit. Es geht um eine Strafanzeige gegen den Papst.

Foto © KANIZAJ Diese Plakate sind in Österreich affichiert, nicht aber in Deutschland; nun soll Italien folgen
Ich habe seit Jahren mit Opfern kirchlichen Missbrauchs zu tun", erklärt Rechtsanwalt Christian Sailer. "Deshalb habe ich mich entschlossen, diese Anzeige gegen den Papst zu erstatten." Konkret sind es 59 Seiten, die im letzten Februar aus dem kleinen Ort Marktheidenfeld in der Nähe von Würzburg an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag geschickt wurden. Diese Seiten sind gespickt mit Anschuldigungen gegen den Papst und damit gegen Joseph Ratzinger persönlich.
Zusammen mit einem weiteren Rechtsanwalt wirft der 75-jährige Sailer dem Oberhaupt der katholischen Kirche "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" vor. Angeklagt wird das "angsterregende Kirchenregiment" inklusive "Psychoterror". Auch unzählige Opfer, die sich aufgrund des päpstlichen Kondomverbots mit der Immunschwäche Aids infiziert hätten, sollen zur Verurteilung des Papstes führen.
Ein Großteil der Strafanzeige beschäftigt sich zudem mit dem Vorwurf der "Aufrechterhaltung eines weltweiten Systems" zur "Begünstigung von Sexualverbrechen durch Priester". Die in den Vordergrund gestellte Sorge um die Missbrauchsopfer hat aber einen theologischen Hintergrund. Die beiden deutschen Rechtsanwälte treten nämlich für das "Universelle Leben" - früher "Heimholungswerk Jesu Christi" - an die Öffentlichkeit. Es ist dies eine von der Deutschen Gabriele Wittek vor etwa 35 Jahren gegründete Gemeinschaft. Wittek gab an, Offenbarungen erhalten zu haben. Deren Inhalt sei es, "die Bibel neu zu interpretieren, nachdem die katholische Kirche angeblich nur Unwahrheiten predigt", erklärt Gerhard Weber, Sektenreferent der Diözese. Das "Universelle Leben" sei also, so Weber, "eine neue Offenbarungsreligion mit stark esoterisch-gnostischer Prägung und mit einem Zug zur Idealisierung der christlichen Urgemeinde". Zudem zeichne sie sich durch ihren Hass gegen Katholiken aus. In Deutschland konnte Sailer seine Plakate nicht kleben, denn kein Unternehmen habe das machen wollen, sagt der Rechtsanwalt. In Österreich war er erfolgreicher. Und Sailer kündigt an: "Demnächst folgt Italien."


















