Hypo-Steiermark: Acht Jahre Haft für Ex-Manager
Zu acht Jahren Haft ist am Mittwoch ein ehemaliger Geschäftsführer der Hypo-Steiermark verurteilt worden. Ihm wurde Untreue vorgeworfen, den Schaden bezifferte der Staatsanwalt mit 31,3 Millionen Euro.

Foto © Marija KanizajSeit April 2010 trafen sich der Schöffensenat rund um Richter Helmut Wlasak und Staatsanwalt Wolfgang Redtenbacher mehr oder weniger regelmäßig in Sache Hypo-Steiermark
Am Tag nach den Freisprüchen im ersten Kärntner Hypo-Prozess, wurde der letzte Tag im Grazer Hypo-Leasing-Prozess mit Spannung erwartet. Und Vorsitzender Helmut Wlasak hat eine Überraschung parat: Der Zweitangeklagte, ehemals Prokurist der Hypo-Leasing, kann den Schwurgerichtssaal (vorerst) verlassen. Sein Verfahren wird ausgeschieden, weil ein Zeuge aus Kroatien - er war Vermittler fehlgeschlagener Leasinggeschäfte - bisher nicht vom Gericht befragt werden konnte.
Haft
Zumindest vorübergehend muss Ex-Hypo-Leasing-Manager Peter Schmid (65) in U-Haft bleiben. Das Gericht unter Vorsitz von Helmut Wlasak gab dem Haftantrag von Staatsanwalt Wolfgang Redtenbacher wegen Fluchtgefahr statt. Die Kaution von 500.000 Euro sei "nicht erfüllbar", kritisiert Schmids Verteidiger Harald Christandl: "Die Höhe ist ein Hohn." Er hat Rechtsmittel gegen das Urteil und den Haftbeschluss angekündigt.
31,28 Millionen Euro
Zurück bleibt der Ex-Geschäftsführer. Die angeklagte Gesamtschadenssumme verringert sich von 54 auf 31,28 Millionen Euro, weil auch ein zweiter Vermittler bisher nicht greifbar war. Fast zwei Stunden lang rollt Staatsanwalt Wolfgang Redtenbacher den Hintergrund des gigantischen Untreuefalles auf: "Die Kunden mit der schlechtesten Bonität bekamen die höchsten Finanzierungen", sagt er.
Der Leasing-Geschäftsführer, aber auch die Vorstände der Mutter-Bank hätten die Entwicklung erkennen müssen: "Wie kommen solche Leute in solche Positionen?", erinnert er an das peinliche Auftreten der Ex-Vorstände vor Gericht. Wie bei der Bawag seien die Verluste aus Risikogeschäften mit noch riskanteren Geschäften kompensiert worden.
Um die Leasinggesellschaften als "Cash Cow" der Bank zu erhalten, habe der Angeklagte sogar die Bilanzen gefälscht. Anstatt Leasingverträge nach 20 bis 30 unbezahlten Raten als Verlust abzuschreiben, wurden die Verträge umgeschrieben. Neue wurden abgeschlossen, und der Investitionsrahmen für Kroatien 2002 sogar noch ausgeweitet. Dabei hätten die Alarmglocken da schon wie eine "Alarm-Pummerin" läuten sollen.
Provisionen
Der ehemalige Geschäftsführer sei eine Art "Master of the Universe" der Hypo gewesen und habe sein Versagen einfach nicht eingestehen können. Oder er habe sich selbst bereichert, immerhin seien an "seine" kroatischen Vermittler Provisionen in der Höhe von 6,3 Millionen Euro geflossen. Redtenbacher beantragt eine hohe Haftstrafe und die Festnahme des Angeklagten wegen Fluchtgefahr, denn der habe eine Wohnung in Kroatien.
"Ich werde keinen wie immer gearteten Fluchtversuch unternehmen", versichert der ehemalige Geschäftsführer. Er bietet sogar sein Ehrenwort als Offizier an und ist bereit, seinen Reisepass abzugeben.
Der Verteidiger Harald Christandl beharrt auf Freispruch, denn es liege keine Untreue vor: Der Angeklagte habe seine Befugnis nicht wissentlich missbraucht. "Sind riskante Geschäfte ein Befugnismissbrauch, wenn der Vorstand sie will?" Das Ziel der Bank sei "Quote" gewesen.
Nach mehr als drei Jahre dauernden Ermittlungen und nach 43 Verhandlungstagen, die sich über fast ein Jahr hinzogen, verurteilt ihn der Schöffensenat - noch nicht rechtskräftig - zu acht Jahren Haft.
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Bild vergrößernDer Angeklagte muss nicht in U-Haft, wenn er eine Kaution von 500.000 Euro hinterlegt und seinen Reisepass abgibtFoto © Marija Kanizaj
Der Angeklagte muss nicht in U-Haft, wenn er eine Kaution von 500.000 Euro hinterlegt und seinen Reisepass abgibtGrafik © Marija Kanizaj
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Bild vergrößernBerge an Akten mussten in den Schwurgerichtssaal transportiert werdenFoto © Marija Kanizaj

















