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    Zuletzt aktualisiert: 27.03.2011 um 18:37 UhrKommentare

    Graz im Bombenhagel von 57 Luftangriffen

    Die meisten Luftangriffe auf österreichische Städte im Zweiten Weltkrieg hatten Graz zum Ziel: 57 Angriffe wurden von den Alliierten geflogen. 7733 Gebäude wurden zerstört und fast 2000 Tote und 1500 Verletzte waren zu beklagen.

    Quelle © 668vid260311.jpg | Foto: KLZ DIGITAL Der Tag nach der Explosion

    Auch 66 Jahre nach Kriegsende lauert unter den Grazer Straßen und Gärten noch immer der Tod in Form von alten Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg - wie der Fund am Freitag deutlich zeigte.

    Bei Grabungsarbeiten am Hauptbahnhof war eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe entdeckt worden, die Freitagnacht um 21.50 Uhr im zweiten Versuch mit einer heftigen Detonation gesprengt wurde.

    Wie viele Bomben aber weiterhin im Untergrund ticken, kann niemand sagen. Bei den 57 Bombenangriffen auf Graz sind etwa 17.000 Bomben abgeworfen worden. Vor allem die Gegend um den Hauptbahnhof und die Industriezone in Liebenau waren von den Alliierten als Zielpunkte ausgesucht worden.

    Blindgängerkataster

    Vor elf Jahren wurde in Graz deshalb ein Blindgängerkataster erstellt, der 582 mögliche Bombenverstecke aufzeigt. Die Grundstückbesitzer wurden umgehend informiert, alle Baufirmen machen seit damals erst eine Anfrage, bevor sie zu graben beginnen.

    Wie aber war es zu diesen zahlreichen Bombenangriffen auf Graz gekommen? Der große strategische Bombenkrieg, der schließlich mit etwas Verspätung auch die steirische Landeshauptstadt traf, wurde von amerikanischen Verbänden mit einem Angriff auf Wiener Neustadt am 13. August 1943 begonnen - als die deutsche Wehrmacht ihre Offensivstärke schon verloren hatte.

    "Entgegen allen Erwartungen flogen die alliierten Bomber bei Angriffen auf die Steiermark zuerst von der Küste Afrikas oder von der englischen Seefestung Malta, später von Sizilien und Süditalien", schildert der Historiker Walter Brunner. Das ist auch einer der Gründe, warum so viele Bombenangriffe auf Graz niedergingen, denn sowohl bei den Anflügen als auch bei den Rückflügen flogen die Bomber über Graz. Und wenn sie noch Bomben "übrig" hatten, warfen sie diese eben hier ab.

    Zum Vergleich: Während Graz 57 Bombenangriffe über sich ergehen lassen musste, waren es in Wien 52, in Klagenfurt 48, in Villach 37 und in Wiener Neustadt 29, wobei die schwersten Angriffe im Februar und März 1945 stattfanden.

    Vom 19. Mai 1942 bis 7. Mai 1945 war Polizeioberst i. R. Rudolf Weissmann stellvertretender Kommandeur der Grazer Schutzpolizei und zeichnete in dieser Funktion nicht nur alle Ereignisse des Luftkrieges gegen Graz auf, sondern fotografierte auch die meisten Bombenschäden.

    Bombenbilanz

    Ihm verdanken wir heute die genaue Kenntnis dieser Ereignisse.

    Seine traurige Bilanz: Bei 57 Fliegerangriffen wurden in Graz 7733 Gebäude zerstört oder beschädigt, 8999 Wohnungen wurden unbenutzbar gemacht und 11.065 Wohnungen beschädigt. 3707 Tonnen Bomben wurden insgesamt auf Graz abgeworfen, fast 2000 Tote waren zu beklagen, etwa 1500 Menschen wurden verletzt. 57 öffentliche Luftschutzräume mit einem Gesamtfassungsvermögen von über 20.000 Personen hielten die Zahl der Toten jedoch in Grenzen.

    Die allererste Luftkriegstote im Zweiten Weltkrieg war übrigens auch eine Grazerin. Sie war Opfer des ersten Bombenabwurfs auf österreichisches Gebiet in diesem Krieg geworden: Nur eine Stunde nach dem Angriff des Deutschen Reiches auf Jugoslawien am 6. April 1941 flogen zwei jugoslawische Flugzeuge unerkannt bis Graz. Sie hatten sich dem deutschen Bomberverband angeschlossen, der eben von der Bombardierung Belgrads zurückflog. Das war nur möglich, weil es sich um zwei gekaperte JU 88 handelte, die noch deutsche Hoheitszeichen trugen. Um 15.58 Uhr verfehlte ein Flieger den Hauptbahnhof als Ziel und traf in der Asperngasse das Werkgelände der Baufirma Granit.

    Eine Bombe schlug in die Straße ein und ein in der Nähe der Einschlagstelle gehendes 13-jähriges Mädchen namens Maria Schrotter wurde von den Sprengsplittern tödlich verletzt.


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