Wie Frauen Kino neu stricken
Diagonale Tag 1: Radikale Nicht-Einschnitte von Ludwig Wüst, ein weibliches Avantgarde-Warm-up mit Valie Export und erfrischende Animationskunst aus der Heimat.

Foto © DIAGONALE Exports "Unsichtbare Gegner" von 1976
Folge mir. Doppelmoral in langsamer Bildsprache: Die Blumenthals leben im Schein-idyll der 60er und 70er, wo Lehrer die Schüler einschüchtern und Männer über Frauen bestimmen. Johannes Hammel reiht in seinem ersten Langfilm Videos seiner Kindheit (Super 8) und die beengte Realität in Schwarz-Weiß aneinander. Das Langatmige muss man mögen.
Tape End. Der Ruf der Radikalität eilte dem Film von Ludwig Wüst voraus. Weder Schnitt noch Nachbearbeitung, stattdessen eine einzige Einstellung: Orangefarbenes Sofa vor weißer Wand, machoesker Plot, starke Akteure, Sex, Ehedrama. Ein direkter Film, aber auch anstrengend.
Shooting Women. Das marginalisierte weibliche Filmschaffen von den späten 70ern bis Anfang der 90er zeigt die Reihe des Filmarchivs. Der Experimentalkurzfilm "Super 8 Girl Games" (1985) weist mit seinem sinnlichen Spiel mit dem Material (Super-8-)Film auf ein brennendes Thema hin: die Digitalisierung. Valie Exports "Unsichtbare Gegner" (1976) ist ein verspielter Hybrid aus Avantgarde-Psychothriller, Science-Fiction und Beziehungsdrama (als der Mann: Peter Weibel); besticht mit lakonischem Humor und gewagten Bildern.
Tricky Women. Erfrischendes Gastspiel des Wiener Animationsfestivals Tricky Women: In "Wurscht" beleben Adele Raczkövi und Julian Vavrovsky ebensolche - sehr originell. In Mirjam Bakers und Michael Krens Spektakelmaschine brechen Gemäldefiguren von Bosch und Breughel zu Zoot Womans Song "We don't break" aus. Ein Höhepunkt! Veronika Schubert zerlegt Floskeln: etwa als Strickfilm. In "Tintenkiller" arrangiert sie die Sprache von "Tatort"-Damen und -Herren neu.
Der Frauenschwerpunkt geht nach Kinoschluss in Fortsetzung: Clara Müller hat Bierdeckel designt, die beim Feierabendbier zum Weiterreden einladen.

















