Glänzendes Ensemble in humorvoller Regie
Die späte Grazer Erstaufführung von Gioachino Rossinis Opernerstling "La cambiale di matrimonio" entzückte szenisch und musikalisch.

Foto © MVDas Liebespaar (Elizabeth Hott und Lianghua Gong) setzt sich gegen den Fremden (Alexander Puhrer) zur Wehr
Mit leichter Hand hat Matthias von Stegmann die erste komische Oper von Gioachino Rossini in Szene gesetzt, einen Einakter, in dem Geld und Liebe sowie nationale Mentalitäten auf Kollisionskurs geraten. Auf Frieder Kleins einfacher Guckkastenbühne, deren Hintergrund der "Heiratswechsel" ziert, der dem Stück den Namen gab, entwickelt der Regisseur die Situationskomik organisch aus der Handlung und der Musik heraus. Seine Inszenierung, die den Versuch eines englischen Händlers, seine Tochter einem kanadischen Geschäftsfreund zu verkaufen, unaufdringlich in die Gegenwart rückt, hat Charme und Humor. Sie kann auf Übertreibungen und Klamauk verzichten, weil der Musikverein erstmals Übertitel einsetzt, die auch den Wortwitz vermitteln.
Talentprobe
In seinem 1810 in Venedig aus der Taufe gehobenen, 1834 in Wien (als "Der Bräutigam aus Kanada") zur Österreichpremiere gelangten, in den letzten Jahrzehnten aber fast nur von spezialisierten Festivals in Schwetzingen, Pesaro, Bad Wildbad oder Wexford gespielten Opernerstling deutete der 18-jährige Rossini bereits sein Genie an. Zwar zitiert und parodiert er ungeniert seine Vorgänger Domenico Cimarosa, Fernando Paer oder Simon Mayr, aber die melodische Einfallskraft und der rhythmische Drive sind schon unverkennbar.
Mit ihrem hinter der Bühne des überakustischen Kammermusiksaals platzierten L'Orfeo-Barockorchester rückt Michi Gaigg die Qualitäten dieser jugendlichen Talentprobe mit federnder Leichtigkeit und lebhaftem Temperament ins rechte Licht.
Das von Tanja Aranovych charakterisierend kostümierte Ensemble weist keine Schwachstelle auf. Moritz Gogg brilliert in der Rolle des sturen Vaters Tobia Mill mit der Parlandovirtuosität seines Prachtbaritons, Alexander Puhrer steht ihm als kanadischer Exot Slook dabei nicht nach. Elizabeth Hott zeigt als Fanny auch vokal Grazie und Krallen, Lianghua Gong betört als Galan Edoardo mit schmelzendem, leichten Tenor. Darina Kandulkova und Josef Pepper als singende sowie Erik Göller und Alexander Posch als stumme Diener runden das Ensemble glänzend ab.













