"Du fällst in ein Loch"
Er hätte sich auch lässig in die Mitte des Cafés setzen können. Der alten Zeiten wegen. Und um genüsslich zu beobachten, wie die Anwesenden rätseln: "Ist das nicht der . . .?"
Doch Walter Ferk wählt für das Interview im Kunsthaus-Café den Tisch gleich neben der Eingangstür. Dort in der Ecke sitzt er, neben einem Vorhang. Fast versteckt. "Nein, das ist eher Zufall", sagt er. Pause. "Wobei, jetzt, da Sie das ansprechen . . ." Ja, er genieße mittlerweile "diese gewisse Anonymität", sagt der frühere Chef der Grazer SPÖ und Ex-Vizebürgermeister von Graz.
Ferks politische Laufbahn endet am Abend des 20. Jänner 2008: Nach der empfindlichen Niederlage bei der Gemeinderatswahl tritt er zurück.
"Und danach fällst du tatsächlich in dieses Loch, von dem alle sprechen", gesteht der heute 54-Jährige. "Als Politiker bist du ja jahrelang fremdbestimmt. Und von einem Tag auf den anderen ist das weg. Ich hab' immer wieder meine berufstätige Frau angerufen und fast hilflos gefragt: ,Und was machen wir heute am Nachmittag?' So blöd es klingt, aber ich musste erst wieder lernen, mich mit mir selbst zu beschäftigen."
Schmerzlich sei auch das Verhalten "sogenannter Freunde und Parteifreunde" gewesen. "Es gab einige, die die Straßenseite gewechselt haben, wenn sie mich sahen. Vielleicht wussten sie bloß nicht, wie sie sich verhalten sollten. Wenngleich ich mich über nette Worte, über ein ,Wie geht's?' gefreut hätte." Und Freunde? "Die echten Freunde, jene aus der Jugendzeit, sind geblieben. Ansonsten trennt sich schon die Spreu vom Weizen."
Heute ist Ferk einer von zwei Geschäftsführern von "Jugend am Werk". Und glücklich. "Wenn ich jetzt irgendwo mit auf ein Foto soll, dann stehe ich geduldig hinten links. Als Vizebürgermeister war allein das ein Stress, das ganze Team hat geschaut: Wo stehe ich? Und wo der Nagl? Und ist er eh nicht größer auf dem Foto oben?" Dennoch: "Die Politik war es wert, ich möchte nichts davon missen. Aber für mich ist dieses Kapitel abgeschlossen."











