"Das hat mit Tierschutz nichts zu tun"
Gegen die Arche Noah laufen Erhebungen wegen gravierender Missstände. Die hygienischen Bedingungen, die Anzahl der Tiere - vieles widerspricht einem Bescheid, an die auch die Förderzusagen geknüpft sind.

Foto © Jürgen FuchsGegen die Zustände in der Arche Noah gibt es schwere Vorwürfe
Dass Tierheime kein Paradies für Tiere sind, liegt in der Natur der Sache. "Doch was hier passiert, das hat mit Tierschutz nichts mehr zu tun", beschreiben ehemalige Mitarbeiter die Zustände in der Arche Noah, Steiermarks größtem Tierheim. Und sie legten der Kleinen Zeitung Bilder und Dokumente vor, die das belegen sollen. Auf Fotos von einem morgendlichen Rundgang sieht man eingetrocknete Urinlacken am Boden, in den Zwingern liegen Kothaufen. Katzen hocken in ihren Klo-Kisterln - was sie im Normalfall nie tun würden.
Doch es gibt noch viele andere Vorwürfe. Ihnen zufolge sollen die Zustände der Tierheimverordnung, dem Tierschutzgesetz und den Richtlinien widersprechen, an die sich die Arche Noah laut einem Bescheid, den der Unabhängige Verwaltungssenat (UVS) schon 2007 ausgesprochen hat, halten muss. Er regelt, wie das Tierheim zum Wohle der Tiere geführt werden muss, und liegt der Kleinen Zeitung vor. Laut Bescheid reichen die Räumlichkeiten der Arche Noah aus, um maximal 163 Hunde und 174 Katzen tiergerecht zu beherbergen. Derzeit sollen aber rund 240 Hunde und 200 Katzen untergebracht sein, weshalb die Heimleitung schon längst einen Aufnahmestopp hätte verfügen müssen.
Stattdessen sollen noch Tiere aus dem Ausland aufgenommen worden sein: Neun Hunde aus Ungarn, elf aus Bosnien-Herzegowina, sechs Katzen aus Kroatien waren es zuletzt laut einer Liste der Arche Noah. Dass all diese Tiere - zum Teil aus Gegenden, wo Tollwut stark verbreitet ist - ausreichend geimpft waren, wie es die Einreisebestimmungen des Gesundheitsministeriums verlangen, wird von amtlicher Seite her bezweifelt.
Andere Dokumente belegen, dass die hygienische Situation in der Arche unzureichend ist. Es gibt keine adäquate Quarantänestation. "Ja, das stimmt, aber für den Umbau fehlt uns das Geld", beklagt Stefan Moser, Generalsekretär der Arche Noah (siehe Interview). Auch der Auslauf der kranken Katzen soll von denen der gesunden unzureichend getrennt sein, das wurde ebenfalls schon 2007 beanstandet.
Artgerecht
Auch die Unterbringung der Tiere soll nicht artgerecht sein. Katzen müssten laut Verordnung Schlafhöhlen und Spielzeug zur Verfügung stehen - beides soll nicht der Fall sein. Die Hunde sollen in zu kleine Kojen gesperrt sein. Die Ausläufe sind nicht blickdicht voneinander abgetrennt, was bereits vor längerer Zeit angezeigt wurde. Fotos zeigen, dass im Winter das Wasser in den Näpfen gefroren war. Auch diese Gefahr war bereits in einem Gutachten 2007 festgehalten worden. "Die meisten Katzen haben wiederverwendbare Plastikhöhlen", betont Moser. Doch wichtiger als diese seien Beschäftigung und Ansprache.
Viele Missstände wurden bereits angezeigt, viel zu wenige aber abgestellt. Dabei wurde 2004 schon einmal aufgrund der Überbelegung des Tierheims ein Förderstopp verhängt.
Tierschutz-Ombudsfrau Barbara Fiala-Köck bestätigt, dass diverse Verfahren gegen die Arche Noah im Laufen sind und sie sich regelmäßig nach dem Fortschreiten der Verfahren erkundigen würde. Ansonsten sei Amtstierarzt Klaus Hejny zuständig dafür, zu kontrollieren, die Missstände zu beweisen und anzuzeigen.
Hejny bestätigt Missstände, er habe bereits zahlreiche Anzeigen eingereicht, ersticke aber in Aktenbergen gegen die Arche Noah. Gerade jetzt, so Hejny, sei wieder eine Erhebung im Laufen. Doch die Beweisführung sei immer schwierig.
Auch bei der Stadt Graz weiß man um die Überbelegung der Arche Noah. Am Donnerstag soll in der Fragestunde des Gemeinderates der zuständige Stadtrat Karl-Heinz Herper befragt werden, ob die Arche Noah Geld für die zugelassenen 163 Hunde bekommt oder für 240.
















