"Ich will Tierschützerin werden"
Eine Schulstunde der besonderen Art erlebten die Schüler der Volksschule Augraben: "Tierschutz im Unterricht" soll schon bei den Jüngsten Respekt vor Tieren wecken.

Foto © FuchsMike schüttelt Kater Felix die Hand. Die Kinder sind vom Tierschutz-Unterricht begeistert
Die kleinen Hände schnellen in die Höhe: "Ich weiß, was sich Tiere wünschen!", ruft Sebastian, "dass die Welt nicht so vergiftet wird." "Und dass man die Tiere lieb hat", ergänzt Carina. Felix, der Tierschutzdetektiv - eine Kater-Handpuppe - ist beeindruckt. So begeistert bei der Sache sind die Schüler der Volksschule Augraben bei Graz selten.
Doch es ist eben ein ganz besonderer Lehrstoff, mit dem Tierschutz-Lehrerin Brigitte Faustmann die Schüler in den Bann zieht: "Tierschutz im Unterricht". Das Projekt wurde vor 30 Jahren von Charlotte Probst ins Leben gerufen, um schon bei den Jüngsten Respekt vor Tieren zu wecken. In dieser Stunde können Kinder ihre persönlichen Erlebnisse mit Tieren erzählen, Tierbilder und -filme betrachten, erfahren, was Tiere brauchen, um glücklich zu sein, und wie die Kinder dabei helfen können. Und was Tiere unglücklich macht.
"Haltet euch einmal eure gespreizten Hände vor die Augen", fordert die Lehrerin auf, "so sieht ein Wellensittich sein ganzes Leben lang die Welt in Gefangenschaft. Lieber wäre er bei seiner Familie in Freiheit." Betroffene Blicke - die sich angesichts eines Babykatzen-Dias sofort erhellen: "Wie süß!"
Mit den Tieren fühlen
Seit vier Jahren ist die Biologin als Tierschutz-Lehrerin für den Verein im Einsatz. Und täglich aufs Neue voller Freude. "Kinder haben ein natürliches Mitgefühl für Tiere, sie können sich gut einfühlen", sagt sie. "Leider geht das als Erwachsener verloren - wenn es nicht früh gefestigt wurde." Und da setzen sie und ihre Kollegen an. Sie üben mit den Kindern spüren, wie sich Tiere auf verschiedenen Bildern fühlen. Ein Hund, der neben der Autobahn angebunden ist. Ein Meerschweinchen im Käfig. "Die Tiere sind traurig", spüren die Kinder, "sie wären viel lieber frei."
Die Botschaft kommt an, ohne dass die Lehrerin viel sagen muss. Als Nächstes wird gesungen, geturnt und gerätselt, die Erst- und Zweitklässler sind voller Begeisterung dabei. "Ich will auch ein Rätsel machen", ruft Jakob begeistert.
In der nächsten Stunde, bei den Neun- und Zehnjährigen, geht es schon weiter in die Tiefe. Die Kinder erzählen von Tierquälereien, die sie erlebt oder im Fernsehen gesehen haben.
"In einem Gasthaus hingen ganz viele Köpfe von Tieren an der Wand", schildert ein Bub geschockt ein Erlebnis mit Jagdtrophäen. Ein Mädchen erzählt von Delfinen, die sie in einem Delfinarium gesehen hat. Tanja machen Stierkämpfe traurig. "Ich esse sowieso kein Fleisch", platzt es aus Johanna und Tanja heraus. Andere schließen sich an. Faustmann sagt nicht viel dazu, sie will die Kinder nicht beeinflussen. Nur, dass es wichtig sei, "viel weniger Fleisch zu essen, nur solches aus tierschutzgerechter Erzeugung". Also am besten streng kontrolliertes steirisches Fleisch.
Stark ist spürbar, wie sehr sich die Kinder mit den Tieren identifizieren. Mitfühlen, mitleiden. Doch sie aufzufangen, ihnen Mut zu machen, dazu ist Brigitte Faustmann da. "Ihr alle könnt helfen, dass es den Tieren besser geht", lautet ihre positive Botschaft. Kater Felix erklärt den Schülern, dass sie nur Eier mit der Kennzahl Null kaufen sollten, und kein billiges Fleisch. Dass sie keinen Zirkus mit Tieren besuchen sollen. Und wie sie herausfinden können, ob Pelz echt ist.
Eine Hand schwebt schon seit Minuten in der Luft. Die Tierschutz-Lehrerin erlöst das Mädchen. "Ich weiß jetzt, was ich werden will", erklärt Antonia überzeugt: "Tierschützerin."
Features
TIERSCHUTZUNTERRICHT
Ziel des Projekts "Tierschutz im Unterricht" ist die Sensibilisierung von Kindern auf die Bedürfnisse der Tiere. Die Grundidee lautet, "Ehrfurcht vor dem Leben schon bei den Jüngsten zu wecken".
Die Tierschutzlehrer der Akademie sind speziell ausgebildete Pädagogen, die kostenlos an die Schulen kommen, in Kärnten und der Steiermark.
strong>Informationen unter www. tierschutzimunterricht.org und unter (0316) 58 13 20.
















