Taxlerflut ruiniert den Grazer Markt
Strengere Taxlerprüfung, Neuwagenpflicht, höhere Tarife. Die Funkgruppen wollen die Qualität heben und nebenbei den Markt bereinigen.

Foto © MARIJA KANIZAJDie Funkgruppen ziehen mit Neuwagen-Pflicht und höheren Tarifen die Notbremse
Es ist das Mysterium dieser Branche. Keiner in der gesamten Szene weiß, "wie da noch einer überleben kann". Und doch stellen sich immer mehr Taxis um rund 250 Standplätze in Graz an. Heuer ist mit 670 Wagen der vorläufige Höchststand erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr drehen wieder 30 Karossen mehr ihre Runden durch die Stadt.
Die Taxi-Flut verursacht einen "Fuhrschaden", der die Branche herunterzieht. Veraltete Fuhrparks, Fahrer, die oft unter Kollektivvertrag bezahlt, in die Schwarzarbeit gedrängt werden und trotzdem von der Hand in den Mund leben (siehe Interview auf Seite 8). Der Obmann der Funkgruppe 2801, Eduard Ruschka kennt die Konsequenz: "Die Qualität der Fahrer wird schlechter, Kundenbeschwerden und Disziplinarfälle häufen sich." Selbst Taxler zeigen sich bei der Wirtschaftskammer gegenseitig an, weil sie gegen Spielregeln am Standplatz verstoßen.
Der Verdacht, dass immer mehr schwarz läuft, erhärtet sich. Das Sitzkontaktsystem, das den Taxameter einschaltet, sobald ein Fahrgast Platz nimmt, werde im großen Stil manipuliert, ist Ruschka überzeugt: "Heute wird das einfach umgangen, fahren viele wieder ohne Taxameter. Wenn bei zehn Prozent das Kontaktsystem noch funktioniert, ist das viel."
Längst hat die Flucht aus den Funkgruppen eingesetzt. Und unter den Funklosen fahren vielfach Einzelunternehmer in älteren Autos, die zu den Standplätzen drängen. Was zum Frust der Funk-Fahrer führt: Sie zahlen ihre Gebühr an die Gruppe, bekommen aber nur wenige Fuhren vermittelt und haben am Standplatz kaum eine Chance.
889-Geschäftsführer Horst Knauss hat genug von der Misere. Er fordert von der Stadtregierung die Regulierung des Marktes: "Es sind zu viele Autos." Aber die Selbstbereinigung der Branche bleibe aus: "Gehen Taxiunternehmer in Konkurs, werden ihre Fahrer und Wagen sofort von einer neuen Gesellschaft übernommen. Und "80 Prozent sind Einzelunternehmer, die auch mit 900 Euro im Monat auskommen."
Sylvia Loibner, die 878-Chefin und Taxler-Obfrau in der Wirtschaftskammer, hat einen Anfang gemacht: "Wir haben in der Gruppe jetzt 280 Autos, aber bereits 22 Unternehmer auf der Warteliste. Ich habe einen Aufnahmestopp gemacht." Eine Limitierung der Taxis wäre gut, sei aber rechtlich nicht haltbar, sobald jemand den freien Gewerbezugang einklage. Dennoch kämpfe man um mehr Qualität: "Wir wollen eine Bestimmung einführen, dass neu zugelassene Taxis die Abgasnorm Euro 5 erfüllen müssen. Das hätte eine rasche
Verjüngung der Fuhrparks zur Folge." Und würde wohl Desperados und Einzelkämpfer mit den ältesten Autos vom Markt fegen. Doch auch sonst will Loibner die Qualität heben: "Wir haben eine Deutschprüfung eingeführt, bevor man den Taxischein machen darf, und eine bessere Fahrerausbildung sowie eine strengere Prüfpraxis durchgesetzt."
Tariferhöhung
Natürlich gibt man den Kostendruck nun auch an den Kunden weiter. Innerhalb der nächsten sechs Monate soll der Taxitarif angehoben werden, bestätigt Loibner. Richtwert: sieben Prozent, damit sei die Inflation seit der letzten Erhöhung 2007 gerade abgegolten. Einen Haken hat die Sache noch: Vor einer Verteuerung gibt es ein Anhörungsrecht von Arbeiterkammer und Gewerkschaft. Dann müssen die Branchenvertreter bei Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann vorstellig werden. Und wenn die Politik nicht will, gibt es auch keine Preiserhöhung.
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Bild vergrößernWollen den ruinösen Wettbewerb einbremsen. Die Funkgruppenchefs Knaus, Ruschka und LoibnerFoto © MARIJA KANIZAJ
















