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Zuletzt aktualisiert: 10.02.2011 um 22:19 UhrKommentare

Der tiefe Fall dreier in der Zwiebel

Drei auf Sinnsuche: Gerhard Balluch, Sebastian Reiß und Claudius Körber feiern heute als Peer Gynt im Grazer Schauspielhaus Premiere. Ein Dreiecks-Gespräch.

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Ein junger Wilder ist er, ein alter Verbitterter wird er: Peer Gynt, Hauptfigur in Henrik Ibsens gleichnamigem dramatischen Gedicht aus dem Jahr 1867, das 1876 in Oslo (damals noch Christiania) uraufgeführt wurde. Der deutsche Regisseur Ingo Berk, der seit 2006 in Graz inszeniert und zuletzt am Volkstheater in Wien "Die Ratten" erarbeitete, hievt Peer Gynt heute Abend auf die Hauptbühne des Grazer Schauspielhauses.

Drei Männer aus fast drei Generationen spielen Peer - nämlich die Ensemble-Mitglieder Claudius Körber, Sebastian Reiß und Gerhard Balluch. Eine nicht neue Interpretation. Wohl aber neu ist der Abschied von einer chronologischen Erzählweise und die Tatsache, dass die drei während des ganzen Stücks als Trio auf der Bühne stehen, ohne miteinander zu sprechen.

Die Figur des Peer ist eine, die provoziert und polarisiert. Zeit seines Lebens will der junge Mann Kaiser werden, was ihm den Titel Kaiser der Selbstsucht einbringt. Eine brisante Figur in Zeiten mangelnder Zivilcourage, Einzelkämpfertums, Ich-AGs.

Eine Figur, die zur Suche auffordert, nach Antworten strebt: Wer bin ich? Bin ich wirklich ich selbst? Wie werde ich zu mir selbst? Fragen, die keine eindimensionalen Antworten zulassen. Fragen, die neue aufwerfen.

Wie wäre Peer Gynt heute?, fragen wir die Schauspieler beim gemeinsamen Interview. "Er würde immer Erster sein wollen", sagt Balluch. "Er wäre ein mutiger Kämpfer, ein spontaner Tatenmensch, ein brutaler Mann mit Ellbogen. Einer, der sich selbst sehr nahe steht." Was würden ihm Psychiater heute diagnostizieren? "Manie auf alle Fälle", sagt Sebastian Reiß. "Vielleicht Selbstsucht, Narzissmus oder Burn-out."

Böser Roadtrip

Berk legt den Weg in die Psyche Peers frei, es ist ein böser Roadtrip ins Innere einer Zwiebel nach einem Bühnenbild von Damian Hitz. Sprachlich habe man, erzählen Peer 1 bis 3, reduziert, aufgeräumt, das Thema Selbstsuche nach außen gekehrt. Mit atemberaubenden Sätzen. Gerne gesagt von Balluch: "Niemand war hier drinnen." Oder: "Vor und zurück ist gleich weit. Hinaus und hinein ist gleich schmal." Sätze nach dem tiefen Fall. Sätze, die auch den Anfang provozieren können.

Und das ausgerechnet von einer Zwiebel aus.

JULIA SCHAFFERHOFER

Zum Stück

Peer Gynt nach Henrik Ibsen unter der Regie von Ingo Berk.

Premiere heute, 19.30 Uhr, Schauspielhaus Graz.

Termine: 16., 17., 19. und 27. Februar sowie 1., 2., 11. sowie 18. März.

Karten: Tel. (0 31 6) 8000.

www.buehnen-graz.com

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