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    Zuletzt aktualisiert: 10.02.2011 um 19:19 UhrKommentare

    Kriminelle kaufen Roma zum Betteln

    Bundeskriminalamt zerschlug Bettlerorganisation - und bekam erstmals Einblick in deren Strukturen: Arme, schwer behinderte Roma werden von Tätern schamlos ausgebeutet.

    Für einen Hungerlohn sichern organisierte Bettler kriminellen Banden ein fettes Einkommen. In Wien wurde eine Organisation zerschlagen

    Foto © Fuchs/SujetFür einen Hungerlohn sichern organisierte Bettler kriminellen Banden ein fettes Einkommen. In Wien wurde eine Organisation zerschlagen

    Mitten in der Diskussion um ein Bettelverbot in der Steiermark meldet sich auch das Bundeskriminalamt zu Wort: "Ein Bettelverbot ist ein Schritt, um kriminellen Gruppierungen den Nährboden zu entziehen", ist Oberst Gerald Tatzgern überzeugt. "Denn Bettelei ist eine dramatische Form des Menschenhandels und der Ausbeutung."

    Zitiert

    "Bettelei ist eine dramatische Form des Menschenhandels und der Ausbeutung."

    Gerald Tatzgern, Bundeskriminalamt

    Verschwindend gering sei jener Teil von Bettlern, die tatsächlich für sich selbst auf der Straße oder vor Geschäften sitzen. Die überwiegende Anzahl der Bettler sei von kriminellen Organisationen angeheuert, weiß der Kriminalist aus Erfahrung. Für durchschnittlich 100 Euro im Monat sichern diese armen und teilweise sogar schwer behinderten Menschen den Hintermännern ein fettes Einkommen. 20.000 bis 30.000 Euro kassierten Monat für Monat die Mitglieder jener Bettlerorganisation, die voriges Jahr in Wien zerschlagen wurde.

    Erstmals bekam dadurch das Bundeskriminalamt Einblick in die Strukturen solcher kriminellen Gruppierungen. Im konkreten Fall wurden 17 Täter festgenommen, fünf davon in Wien, der Rest in Rumänien. "Dort sind gegen alle Verdächtigen auch die Gerichtsverfahren anhängig", sagt Tatzgern. Es handelt sich ausschließlich um wohlhabende Roma, die angeklagt sind. Sie hatten insgesamt 80 Roma zum Betteln in Österreich missbraucht.

    Handel mit Behinderten

    Die Opfer wurden von den Hintermännern in Rumänien angeheuert und an die Verantwortlichen in Österreich verkauft. Je schwerer die Behinderung eines Bettlers, desto höher war der Preis. Für einen geistig behinderten Roma, dem außerdem beide Beine amputiert worden waren, verlangte der Capo in Rumänien vom zuständigen Chef in Österreich 4000 Euro. Schließlich einigte man sich auf 2500. Der Bettler erreichte das vorgegebene Ziel (60 bis 80 Euro täglich) trotz seiner schweren Behinderung aber nicht. Er wurde deshalb schikaniert und misshandelt.

    Wie brutal die Täter dabei waren, dokumentiert ein Video, das die Kriminalisten sicherstellen konnten. Psychische und physische Gewalt gegen die Bettler standen auf der Tagesordnung. In einer kleinen Wohnung in Wien waren bis zu 40 Personen untergebracht. Jene, die der Organisation am meisten Geld einbrachten, durften im Doppelbett schlafen. Wer ein bisschen weniger einnahm, bekam immerhin noch am Fußende einen Schlafplatz. Die anderen erhielten eine Matratze - und diejenigen, die am wenigsten Geld im Körberl hatten, mussten auf dem Fußboden schlafen.

    Spuren nach Bulgarien

    Die zerschlagene Organisation war in Rumänien und Wien tätig. Andere Tätergruppen sind für die organisierte Bettelei in Graz und Linz zuständig, wissen die Kriminalisten. Die Spuren der Täter führen in diesen Fällen nach Bulgarien. "Die Strukturen sind alle gleich", behauptet Gerald Tatzgern.

    Organisierte Bettelei in Graz schließt auch Polizei-Stadtkommandant Kurt Kemeter nicht aus. "Wir haben voriges Jahr im Fall einer behinderten Rumänin ermittelt und dabei keine Beweise für organisierte Kriminalität gefunden. Unsere Recherchen betrafen aber nur diese Frau."

    HANS BREITEGGER

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