Auch Graz hatte sein Luftschiff
Wenn am Sonntag im TV das Luftschiff "Hindenburg" durch die Lüfte fährt, werden Erinnerungen wach.

Foto © PrivatDie ?Estaric I“ im September 1909 über Graz
Die dramatische Geschichte der "Hindenburg" wird am Sonntag- und am Montagabend auf ORF und RTL die Zuschauer in ihren Bann ziehen.
Am 6. Mai 1937 war das Luftschiff LZ 129 bekanntlich im amerikanischen Lakehurst in Flammen aufgegangen, die Ursache konnte nie ganz geklärt werden.
Doch auch in Graz wollte man im neuen Luftgeschäft mitmischen. Seit 1906 tüftelten Anatol und Alexander Renner an einem steirischen Gegenstück zu den Luftschiffen von Graf Zeppelin. Die Söhne des Zirkusdirektors und Artisten Franz Renner überredeten ihren Vater schließlich, ein "lenkbares Luftschiff nach amerikanischem System" bauen zu dürfen. Und da Renner von der Grazer Messeleitung den Auftrag erhalten hatte, der Bevölkerung zur Eröffnung der Herbstmesse 1909 etwas Ausgefallenes zu bieten, passte ihm das in den Kram.
Jetzt war natürlich Eile angesagt. In nur 20 Tagen bauten die Renner-Buben den 30 Meter lange und 6,5 Meter breiten Koloss in Zigarrenform zusammen. Antrieb und Propeller wurden von Johann Puch angefertigt, der einen auf 32 PS auffrisierten Motor einbaute. Die sensationell kurze Bauzeit war natürlich auffällig. Zweifler behaupteten sogar, dass die Renner-Buben die entscheidenden Teile in Amerika gekauft und nur noch in Graz zusammengefügt hatten.
Wie auch immer, am Sonntag, dem 26. September 1909, fieberte ganz Graz um 17 Uhr einem sensationellen Spektakel entgegen: Vom Trabrennplatz erhob sich das erste starre Luftschiff der k. u. k. Monarchie in die Lüfte - die "Estaric I".
Auf luftiger Fahrt
An Bord mit dabei: die Renner-Buben Anatol und Alexander, 18 und 16 Jahre jung. Eine Viertelstunde lang lief alles bestens, die zwei liefen in der offenen Gondel hin und her, um das Gleichgewicht auszutarieren und das Luftschiff zu lenken. Dann kippte das Steuerruder zu Seite, die Zigarre war manövrierunfähig und trieb in Richtung Waltendorf ab - landete aber sicher auf einer Wiese beim St. Peter-Friedhof. Eine lockere Schraube wurde fixiert - am nächsten Tag stiegen die Luftfahrtpioniere wieder auf.
So ging das tagelang weiter, die Familie Renner wurde mit Ehrungen überhäuft und tourte durch ganz Österreich. Bald wurde ein zweites, größeres Luftschiff gebaut, das jedoch bei seiner Jungfernfahrt in Graz abstürzte. Die Behörde entzog nun Renner die Flugerlaubnis, der finanzielle Schaden war enorm. Franz Renner hatte sein gesamtes Vermögen aufgebraucht, wurde krank - und starb verbittert.

















