Politiker reklamierten Luxus-TV für ihre Bar
Auf den Umbau des Landtages folgten die Sonderwünsche der Abgeordneten. Vom Flachbildschirm für die Abgeordneten-Bar bis zu einem höheren Rednerpult reicht die brisante Liste.
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Die historische Landstube im Landhaus in Graz wurde von Sommer 2009 bis Herbst 2010 umfassend renoviert und umgebaut. Budget: 2,5 Millionen Euro. Technik und Belüftung entsprechen nun wieder den Standards, das Mobiliar wird den Anforderungen gerecht. Allein die Abgeordnetenstühle haben 1140 Euro gekostet. Pro Stück.
Dennoch gab es nach nur wenigen Landtagssitzungen Sonderwünsche. Die Liste reicht von Handtaschenhaltern über ein höheres Rednerpult bis zum Spiegel. Der Gipfel: Für die "Milchbar", wie die schmucke Kantine im Landhaus gerufen wird, wurde nachträglich ein Luxus-TV geordert. Um die Debatten von der Theke aus verfolgen zu können.
Aber die Modelle der im Landtag verwendeten Marke Sharp Aquos sind nicht nur sehr energiesparend, sondern haben auch ihren Preis. Laut Hersteller liegt er zwischen 1099 und 3999 Euro je nach Bildschirm (Mini- und 3-D-Modell nicht mitgezählt). Und das bei einer regulären Landtagssitzung im Monat. Ferien ausgenommen.
Freilich versucht Landtagsdirektor Jürgen Dumpelnik im Einvernehmen mit Landtagspräsident Manfred Wegscheider (SPÖ) den Wünschen nachzukommen: Sofern das Budget eingehalten wird und keine weiteren Umbaumaßnahmen notwendig sind. "Manche Dinge ergeben sich erst aus dem Betrieb heraus", bestätigt Dumpelnik, dass für die Regierungsbank Handtaschenhalter bestellt wurden. Der Spiegel im Vorzimmer zur Landstube? "Erledigt. Abgeordnete dürfen doch ihre Krawatte richten", stellt der neue Landtagsdirektor klar. Ein höheres Rednerpult spielt es hingegen nicht: "Es wurde exakt nach der Höhe des alten gemacht. Ein barrierefreier Umbau würde hier exorbitante Kosten verursachen."
Ärger mit Zugluft
Dass sich Abgeordnete über Zugluft beschwert haben, weiß Dumpelnik natürlich. Von Baumängeln in der renovierten Landstube könne aber keine Rede sein. Der Direktor: "Die Fenster sind dicht." Des Rätsels Lösung: Es gibt keinen Windfang im Eingang mehr und bei einer Sitzung blieben die Türen der Sicherheitsschleuse wegen eines Defekts geöffnet. Das Problem ist mittlerweile beseitigt.
Ebenso jenes, das es anfangs mit dem Touchscreen am Präsidentenpult gegeben hatte. Die Software wurde nachträglich benutzerfreundlich gemacht.
Die Schwierigkeiten mit den Steckdosen - zwei pro Pult, eine senkrecht, eine waagrecht - werden von den Politikern zu lösen sein. Zumindest von denen, deren klobige Handyladegeräte nicht in die Steckdosen passen. Da helfen nur Zwischenstecker oder neue Mobiltelefone.
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