15-Jährige wird zu Ehe gezwungen
15-jähriges Mädchen flüchtet vor den Eltern, die sie mit ihrem Cousin verheiraten wollen. Caritas-Einrichtung betreut 20 betroffene Frauen.

Foto © ReutersFrauen kämpfen um Selbstbestimmung
Ehre, Geld und Ansehen der Familie und die patriarchale Rolle muslimischer Männer drängen viele Mädchen und junge Frauen in Zwangsehen. Immer mehr solche Fälle geraten inzwischen an die Öffentlichkeit - wie jener einer 18-jährigen Kosovarin, die ihren Vater anzeigte. Dass in Familien massiver Druck sogar auf 15-jährige Mädchen ausgeübt wird, zeigt der Fall der Grazer Schülerin Aynur (Name geändert). Die Familie will sie mit einem 30-jährigen Cousin verheiraten. Das Mädchen ist vor der Familie geflüchtet und wurde mit Hilfe der Caritas-Beratungseinrichtung für Betroffene von "Gewalt im Namen der Ehre" und des Jugendamtes außerhalb von Graz sicher untergebracht.
Heiratskandidat
Im Gespräch mit der Kleinen Zeitung erzählt Aynur, wie ihr schon als Zwölfjähriger bei einem Urlaub in der Heimat der Eltern der 27-jährige Cousin als Heiratskandidat vorgestellt wurde: "Ihn wirst du heiraten."
Bis sie 15 ist, geschieht nichts. Als der Vater aber erfährt, dass die hübsche Schülerin einen Freund hat, rastet er erstmals aus. "Schlag dir den aus dem Kopf, wir bestimmen, wen du heiratest." Er verbietet ihr den Kontakt mit dem Jungen. "Letzten Sommer musste ich in die Heimat meiner Eltern mitfahren. Der Vater hat mich fertig gemacht, er hat meinen Freund angerufen und gesagt: ,Vergiss meine Tochter'."
"Du bist eine Schande"
Ihre Oma und ein Onkel beschimpften sie: "Du bist eine Schande." Vom Onkel sei sie geschlagen worden, man habe sie bedrängt, zu beweisen, dass sie noch Jungfrau sei. Zurück in Graz verstärken ihre Eltern immer mehr den Druck auf das Mädchen: Sie üben totale Kontrolle aus, beleidigen und drohen ihr, besonders der Vater. Als dieser sie schlägt, flüchtet sie zum ersten Mal in die Obhut der Caritas-Beratungsstelle. Für einige Wochen wird Aynur bei einer Gastfamilie untergebracht. Bald darauf versprechen Aynurs Eltern gegenüber dem Jugendamt, keinen Druck mehr auf sie auszuüben. Sie geht wieder nach Hause. Doch bald geht es wieder los. Das Mädchen ist hin und hergerissen zwischen der Liebe zu ihrer Familie und Angst. "Ich traue meiner Familie zu, dass sie mich gegen meine Willen in deren Heimat bringt und mich dort verheiratet", fürchtet das Mädchen.
Zwangsehe oft im Spiel
Keiner aus ihrem Umkreis stehe ihr bei, alle unterstützen die Eltern, so Aynur. Sogar die religiösen Vertreter der Gemeinde würden die Zwangsehe unterstützen. Aynur: "Ich glaube, dass bei fast allen Mädchen in meinem Umkreis Zwangsehe droht oder im Spiel ist. Viele haben Angst, in das Heimatland der Eltern zu reisen, weil sie dann verheiratet werden."
Kelif Karaman, ihre Betreuerin bei der Caritas-Beratungsstelle, hat für sie einen Fluchtplan erstellt: "Wir müssen ganz schnell reagieren, um die Flucht rasch durchzuziehen." Kürzlich war es wieder so weit. Weil sie von den Eltern Drohanrufe bekam, da sie von der Schule nicht gleich nach Hause kam, flüchtete Aynur abermals.















