Operation in Graz
Im "Frauendienst" beschreibt Ulrich seine Lippenoperation (hier auf Neuhochdeutsch):
Da ritt ich hin. Auch er ritt so/ nach Graz. Und dort war ich sehr froh/als gleich ich meinen Meister fand./Der war bald dienstbereit zur Hand,/und eines Montagmorgens dann/er scharf zu schneiden mich begann./Er wollt' mich binden - ich wollt's nicht./Er sprach: "Wird Unglück angericht',/denn rührt ihr euch bloß um ein Haar/wird es euch schaden. Das ist wahr."/Ich sprach: "Ich werde es nicht tun./Ich bin hierher geritten nun/weil mir mein Übel es gebot - soll ich auch liegen bleiben tot,/ich rühr' mich nicht. Ihr werdet seh'n./Mag mir's auch noch so weh ergeh'n."/Die Furcht war wirklich nicht so schlimm./Ich saß auf einer Bank vor ihm,/mit einem Schermesser darauf/schnitt er mir meinen Mund dann auf./Ober den Zähnen schnitt er ab,/was ich ganz still erduldet hab'./Das Schneiden war damit geschehen/und keiner hat mich wanken sehen./Er hat es meisterlich getan und ich ertrug es als ein Mann./Da schwoll mein Mund mit einem Mal/viel größer als ein runder Ball./Er ließ der Wunde so ihr Recht./Das sah dann meiner Dame Knecht/und sprach zu mir: "Möget ihr genesen,/Dann bin ich gerne hier gewesen."
















