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    Zuletzt aktualisiert: 31.12.2010 um 18:04 UhrKommentare

    Bischof Kapellari: "Gott verlässt uns nicht"

    Bischof Egon Kapellari über den Zustand von Gesellschaft und Kirche. Ein Auszug aus seiner Predigt zum Jahresabschluss 2010.

    Foto © KLZ/Sabine Hoffmann

    Im Isaiasbuch der Bibel fragt eine Stimme: "Wächter, wie lange noch dauert die Nacht?" (Jes 21,11). Die Neujahrsnacht ist ein guter Anlass, um diese biblische Frage an den Wächter im fernen Edom zu wiederholen. Sie ist eine traurige Nacht für Menschen in Flüchtlingslagern und anderen Armenhäusern der Welt. Sie ist zugleich eine fröhliche Nacht für Gesunde und Wohlhabende, denen die Freude daran gewiss nicht ausgetrieben werden soll. Sie ist auch eine Nacht inmitten unserer westlichen Welt, der große Utopien abhandengekommen sind und der große Entwürfe in Kultur, Philosophie und Politik fehlen.

    Für die Menschheit im Ganzen war es ein Jahr wie viele andere mit seinen Lichtblicken und mit seinen Katastrophen. Neben den großen Naturkatastrophen wie in Haiti und in Pakistan gab es die von Menschen verursachten großen Probleme: die politische Instabilität besonders in vielen Ländern Afrikas, im Nahen und im Mittleren Osten; den Terrorismus islamistischer und neuerdings auch anarchistischer Provenienz; die Finanzkrise und die daraus folgende Wirtschaftskrise, von der vor allem die sogenannte westliche Welt betroffen war und die noch keineswegs sicher überstanden ist; weiters die massiven Verletzungen von Menschenrechten, vor allem zulasten von Christen.

    Dazu kommen Probleme infolge eines rapiden sozialen und kulturellen Wandels. Daraus ergeben sich Herausforderungen an das Prinzip Solidarität. Bedrängend aktuell sind für viele Menschen Fragen betreffend Stabilität und finanzielle Situation der Familien, die Zukunft des Bildungssystems, die Entwicklung des Arbeitsmarktes und die Verlässlichkeit des Pensionssystems. Viele Menschen sind von Armut bedroht oder bereits arm. Unter ihnen auch solche, die einen Arbeitsplatz haben und besonders auch Alleinerziehende.

    Politiker, Sozialpartner und Interessenverbände stehen vor der schwierigen Aufgabe, nachhaltige Lösungen zu erarbeiten. Gruppeninteressen müssen im Blick auf das soziale Ganze beurteilt werden. Dazu gehört auch die Frage, wie Europa ohne Destabilisierung seiner Zivilgesellschaften, aber unter Bewahrung seiner christlich-humanistischen Werte-Tradition mit der Frage der Immigration umgehen soll. Hoch relevant ist darüber hinaus der rapide Wandel der religiösen Situation in Europa. Wie auf keinem anderen Kontinent gibt es hier eine weitverbreitete Gleichgültigkeit und teilweise sogar Aggressivität gegenüber dem religiösen Erbe in Gestalt des Christentums. Das rasche Anwachsen des Islam stellt dem Christentum die Frage, wie stark der eigene Glaube ist und warum so viele Getaufte seiner offenbar müde geworden sind.

    Das Jahr 2010 war aber für die katholische Kirche auch in unserem Land ein Jahr besonderer Prüfungen und Herausforderungen. Schwerwiegende Verfehlungen mancher kirchlicher Verantwortlicher vor allem gegenüber jungen Menschen sind offenbar geworden und haben viel Vertrauen in die Kirche zerstört. Obwohl wir damit ganz offen umgegangen sind und umgehen, konnten ungerechtfertigte Verallgemeinerungen zulasten der Unschuldigen - und das ist die allergrößte Mehrheit der kirchlichen Verantwortlichen - nicht immer verhindert werden.

    Viele Katholiken sind in diesem Zusammenhang aus der Kirche ausgetreten. Für nicht wenige unter ihnen war dies aber nur der letzte Schritt einer schon lange in Gang befindlichen Entfernung. Solche Entscheidungen haben wir zu respektieren. Wir möchten den aus der Kirche fortgehenden oder fortgegangenen Katholiken aber sagen: Christus hat bei eurer Taufe seine Hand auf euch gelegt und er zieht seine Hand nie zurück. Die Kirche ist weltweit eine große Kraft für Frieden, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Und wer von der Kirche fortgeht, der schwächt eine Kraft, die Europa auch heute mehr zusammenhält, als allgemein bewusst ist; er vergrößert einen Hohlraum, der in Gefahr ist, von Kräften ausgefüllt zu werden, die auch edlen Agnostikern als gefährlich erscheinen.

    Umso wichtiger ist es, die Mitte der Kirche zu stärken und von dort aus den Blick in die Höhe und Tiefe des christlichen Glaubens zu öffnen: den Blick auf Jesus Christus selber, der seine gekreuzigten und in der Auferstehung verklärten Arme nach beiden Seiten hin ausbreitet und alle an sich ziehen will. "Auf Christus schauen!" - dieses Leitwort soll daher auch weiterhin die Seelsorge in den Pfarren und das Wirken aller anderen kirchlichen Einrichtungen prägen. In all dem geht es um Gott und um die Menschen. Die Kirche ist ja kein Selbstzweck, sondern ein Sakrament, also ein Werkzeug für den Dienst an beiden.

    Ich kehre am Ende dieser Überlegungen an den Anfang zurück: zur Frage an den Wächter im Isaiasbuch der Bibel, ob die Nacht bald zu Ende sein werde. Der Wächter weiß es nicht, aber er sagt: Der Morgen wird kommen! Gott verlässt uns nicht, wenn wir ihn nicht verlassen, und jede Mitternacht ist schon der Anfang eines neuen Tages.


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