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Zuletzt aktualisiert: 27.12.2010 um 19:16 UhrKommentare

VW-Chef Lindner: "Bauen heuer 430.000 Fahrzeuge"

VW de Mexiko-Chef Otto Lindner, ein Steirer, über Chancen für Österreicher in Mexiko, Geschäfte für Exporteure und den neuen Käfer-Nachfolger.

Otto Lindner: "Einmal in der Autowelt, kommt man nie mehr davon los"

Foto © KanizajOtto Lindner: "Einmal in der Autowelt, kommt man nie mehr davon los"

In Kürze soll der Nachfolger des legendären VW-Käfer auf den Markt kommen. Er wird in Mexiko gebaut. Können Sie sagen, wann und wie er heißt?

OTTO LINDNER: Es wird der Nachfolge des Beetle. Wie er heißen wird, ist noch zu entscheiden.

Wann wird es so weit sein?

LINDNER: Das Fahrzeug wird zuerst in die USA gehen. Ich gehe davon aus, dass es im Herbst 2011 nach Europa kommt.

Sie sind Steirer, leiten seit 2004 VW de Mexiko. Haben aus Ihrer Sicht steirische Unternehmen Chancen auf Exporte nach Mexiko?

LINDNER: Es gibt in Mexiko einige Branchen, die das Know-how und die Qualität aus Österreich sehr schätzen würden. Was ein Vorteil gegenüber China ist . . .

. . . weil die Chinesen so heftig kopieren?

LINDNER: Das wird in Lateinamerika weniger passieren. Man akzeptiert die Führerschaft von uns.

Welche Bereiche bieten sich da besonders an?

LINDNER: Sicherheitstechnik ist so ein Bereich, wo in Mexiko fast alles importiert wird. Da wird noch viel investiert werden, vom Staat aber auch von Privaten.

Gehört auch die Umwelt dazu?

LINDNER: Es kommt zu einem Umdenken zu alternativen Energien. Mexiko ist ein Ölproduzent, da ist die Energiewirtschaft nicht so weit gezähmt, dass man automatisch an Sonne, Wind und Meer denkt. Da ist Technologie gefragt, da haben österreichische Firmen sicher Chancen.

Mexiko hat Abkommen über Zollfreiheit mit Nordamerika, Südamerika und Europa. Kann diese Zollfreiheit für österreichische Firmen auch ein Ansporn zur Ansiedlung von Produktion sein?

LINDNER: Ich bin überzeugt, dass das eine große Chance ist. Die Arbeitskosten in Mexiko gleichen jenen in China.

Wie stark sind Korruption und Bestechung in Mexiko ausgeprägt?

LINDNER: Sie spielt eine Rolle, die aber für uns als europäische Unternehmen nicht infrage kommt. Aber die Politik weiß auch, wie wichtig es ist, Unternehmen zu unterstützen beim Abbau von Hürden.

Haben hoch qualifizierte Arbeitnehmer, auch junge Absolventen von Hochschulen, in Mexiko Chancen im Arbeitsmarkt?

LINDNER: Sie sprechen das wichtigste Kapitel von Mexiko an, Ausbildung und Qualifikation. Die Qualifizierung auf einen Fachberuf gibt es quasi nicht. Jeder Spezialist, der nach Mexiko kommt, ist sehr wertvoll und hat alle Chancen, entsprechend Karriere zu machen, insbesondere im technischen Bereich.

Zurück zu VW Mexiko. Wie eng ist die Kooperation mit Magna Steyr in Graz?

LINDNER: Es bestand eine Zusammenarbeit in der Entwicklung des neuen Jetta, der in Mexiko für den Weltmarkt gebaut wird.

VW produziert heuer erstmals mehr als sieben Millionen Fahrzeuge. Wie viele sind es in Mexiko?

LINDNER: In seiner Geschichte hat VW in Mexiko mehr als sechs Millionen Fahrzeuge hergestellt. In diesem Jahr werden es um die 430.000 sein, mit der Erweiterung des Werks in Puebla liegt die Kapazität bei 550.000.

Wohin werden diese Fahrzeuge geliefert?

LINDNER: Wir haben einen Exportanteil von 83 Prozent, 45 Prozent gehen nach Nordamerika. Etwa so viel werden auch nach Europa geschickt.

Wie hoch sind die Umsätze?

LINDNER: Bei sechs bis sieben Milliarden Euro.

Und wie kommt man in so eine Position wie Sie?

LINDNER: Nach Bulme und Studium in Graz ging ich zur Voest, dann zu BMW und Audi. Wenn man einmal in der Autowelt ist, kommt man davon nicht los.

INTERVIEW: HELLFRIED SEMLER

ZUR PERSON

Otto Lindner, geboren 1948 im steirischen Eisenerz.

Ausbildung: HTL Bulme in Graz, Hochfrequenz- und Nachrichtentechnik.

Danach Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Uni Graz.

Karriere: Lindner war anfangs sechs Jahre in der Voestalpine tätig, danach zwölf Jahre bei BMW.

Danach Wechsel zu Audi.

Seit 2004 ist Lindner Chef von VW de Mexiko, wo jährlich 430.000 Fahrzeuge gebaut werden.

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