Grazer ÖVP startet Imageoffensive
Alle schwarzen Stadtpolitiker stellen sich derzeit mit selbst überlegten Sprüchen auf Plakaten in Graz vor. "Einfach zum Nachdenken", wird von der VP betont.

Foto © Jürgen FuchsMit Plakaten will die ÖVP zum Nachdenken anregen
Es wirkt wie eine Antwort auf die Kritik der letzten Tage. Die ÖVP steht ja wegen Agentur-Direktvergaben von Stadt und Holding Graz an ihre Wahlkampfagentur von Claudia Babel im Kreuzfeuer. Nun versucht Siegfried Nagls Partei, mit Plakaten quer durch die Stadt ihr Image aufzupolieren.
Reaktion
Stadträtin Martina Schröck (SPÖ) zur OVP-Kampagne: "Das Image, welches hier transportiert werden soll, ist wohl jenes von der Partei, der die existenziellen Nöte der GrazerInnen völlig egal sind." Denn während die Notschlafstellen so voll wie noch nie seien, während bis zu 220 Personen täglich die 25 Euro Weihnachtsbeihilfe vom Sozialamt abholen und während die Brennstoffaktion wieder einen Rekordansturm verzeichne, geben Nagl und seine 'christlich-soziale' Partei viel Geld für eine Plakatkampagne aus, so Schröck.
Zumindest nach einem Zwischenwahlkampf der ÖVP, die ja mit dem schwarz-grünen Projekt unter Druck gekommen ist, riecht die Aktion. "Da kann sich jeder für sich seinen Reim darauf machen", meint der Geschäftsführer der Grazer VP Bernd Schönegger: "Aber das hat nichts mit einem Vor-, Zwischen- oder Hauptwahlkampf zu tun. Wir wollten einfach die Vorweihnachtszeit dazu nützen, die Grazer mit diesen Plakaten zum Nachdenken anzuregen."
Apropos Reim: Die Sprüche auf den Plakaten reimen sich zwar nicht, geben aber in einem Satz eine mehr oder weniger sinnige Weisheit wieder: "Jedes Regierungsmitglied und jede Gemeinderätin und jeder Gemeinderat haben sich ihren eigenen Spruch überlegt", versichert Schönegger, der als einziger Nicht-Rathauspolitiker - er ist ja im Nationalrat in Wien - zu Plakatehren kommt.
Zum Nachdenken
"Es handelt sich hier um Botschaften, die wir den Grazerinnen und Grazern zum Schluss des Jahres mitteilen wollen. Und wir wollen damit für eine stärkere inhaltliche Auseinandersetzung mit der Politik sorgen, ganz ohne Schmutzkübel und Polemik", so Schönegger.
"Wenn wir auf die Umwelt achten, werden wir von ihr profitieren", verkündet etwa Gemeinderat Bernhard Kraxner auf seinem Plakat. Oder: "Wenn wir für Jugendliche sprechen, müssen wir mit ihnen reden", heißt es bei Johann Müller. "Wenn sich jeder vom Staat bedient, ist bald kein Staat mehr da" - zugegeben, über den Spruch von Bürgermeister Siegfried Nagl lässt es sich nachdenken. Aber natürlich auch über alle anderen.
Stammkundenbonus
Insgesamt an 160 Stellen auf Stadtgebiet wurden die Plakate angebracht, wobei Bürgermeister und Stadträte auf ganz Graz verteilt sind, die Gemeinderäte vorwiegend in ihren Heimat-Stadtbezirken. Über die Kosten dieser Kampagne schweigt man sich aus. Nur so viel verrät der VP-Geschäftsführer: "Auch hier haben wir die Spargesinnung nicht vergessen. Der Stammkundenbonus bei den ausführenden Firmen hält die Kosten in Grenzen." Auch über die Agenturkosten gibt man keine Auskunft. Muss man auch nicht. Denn diese Kampagne mit der Handschrift von Claudia Babel bezahlt nicht die Stadt, sondern die Volkspartei.

















