Estag verkauft "Palazzo Protzo" ans Land
Geheimer Deal um den berüchtigten "Palazzo Protzo": Die Forschungsfirma des Landes, Joanneum Research, kauft um 4,45 Millionen Euro das ehemalige Estag-Hauptquartier.

Foto © APAPalais Herberstein, Graz: Das Symbol für überbordenden Estag-Luxus wird nach langen Verhandlungen an die Forscher von Joanneum Research veräußert
Der Aufsichtsrat von Joanneum Research (JR) fasste am vergangenen Montag einen brisanten Beschluss: Die Forschungsfirma, die zu 90 Prozent dem Land gehört, kauft das Palais Herberstein in der Grazer Leonhardstraße. Das knapp 2800 Quadratmeter große Haus wurde bis zum Sommer als Zentrale des Energiekonzerns Estag genutzt.
Doch die Estag hatte mit dem Prunkbau längst keine Freude mehr, war dieser doch 2003 als Symbol für zu viel Luxus ("Palazzo Protzo") in die Schlagzeilen geraten. Lange fand sich für das Palais kein Käufer. Nun griffen die Forscher von JR nach schwierigen Verhandlungen zu. Der Steuerzahler wechselt damit gewissermaßen nur die Tasche, aus der er dieses Gebäude finanziert.
Kois blieb der Sitzung fern
Ähnliches gilt übrigens für Estag-Vorstandschef Oswin Kois: Er ist gleichzeitig Vize-Aufsichtsratschef von JR, hat also auf beiden Seiten mit dem Geschäft zu tun. Er war beim Aufsichtsratsbeschluss aber nicht anwesend, wie Insider versichern.
Der Kaufpreis ist mit 4,45 Millionen Euro eher moderat ausgefallen - dem Vernehmen nach war der Schätzpreis um einiges höher gelegen. Immerhin ist das Haus komplett saniert, barrierefrei, vollständig möbliert und mit viel Technik versehen. Es handelt sich um eines der raren einstöckigen Gebäude mit Lift.
Die Forschungsfirma JR, die im Vorjahr komplett umorganisiert wurde - statt der 14 Institute gibt es nun fünf Forschungsbereiche und eine viel stärker privatwirtschaftliche Orientierung -, setzt damit den nächsten Akzent. Das Palais soll auch für Kongresse repräsentativ genützt werden. Allerdings wird damit endgültig der Plan fallen gelassen, das gesamte JR in einem einzigen Haus unterzubringen. Denn nur die Geschäftsführung und einer der fünf Fachbereiche ziehen ein.
Überlegt worden war unter anderem ein Neubau für alle Bereiche in der Grazer Elisabethstraße. Diese Variante erwies sich als unfinanzierbar. Das noble Palais ist erstaunlicherweise billiger, weil es eben eine "Kleinlösung" ist. Denn JR wird mit sinkenden öffentlichen Subventionen (derzeit: jährlich 8,5 Millionen vom Land, mehr als zwei Millionen plus Forschungsprogramme vom Bund) auskommen müssen.
Kein Geld vom Land
Finanziert wird der Kauf über den Verkauf von Objekten, die Aufgabe von Mietverträgen sowie ein altes Gesellschafterdarlehen. "Es fließt kein zusätzliches Geld vom Land", beteuert die zuständige Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder auf Anfrage.
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Kommentar
FORSCHER IM PALAIS
Das Joanneum Research ist in fünf Forschungsgruppen gegliedert. In das Palais Herberstein ziehen nur die JR-Geschäftsführung sowie der Bereich "Policies" (Wirtschafts- und Innovationsforschung) ein. Der Bereich "Digital" (Informations- und Kommunikationstechnologie) wird in der Grazer Steyrergasse 17-19 konzentriert. Die Forschungsgruppe "Resources" (Wasser, Energie, Nachhaltigkeit) bleibt in Graz in der Elisabethstraße 16-20. Der Bereich "Materials" soll in Weiz beim Nanotechnologie-Schwerpunkt logieren. Für den fünften Bereich "Health" wird eine Lösung im künftigen Kompetenzzentrum an der Grazer Universitätsklinik (Campus) angepeilt.
















