Neue Gedenktafel für im Lager Graz-Thalerhof umgekommene Ruthenen
Für die Opfer des Krieges der k.u.k. Monarchie gegen die eigene Zivilbevölkerung, konkret die aus ihrer Heimat verschleppten und in der Internierung ums Leben gekommenen Ruthenen, wird am 9. Dezember, am Vorabend des Tages der Menschenrechte, am Flughafen Graz-Thalerhof eine Gedenktafel enthüllt.
Im Lager Thalerhof wurden in den Jahren 1914-17 zwischen 20.000 und 30.000 Ruthenen festgehalten. 1.767 sind im Lager umgekommen und verscharrt worden.
Bisher erinnerte nur eine Inschrift im Ossarium des Gemeindefriedhofs von Feldkirchen an die Opfer, die vornehmlich an Typhus, Cholera und Ruhr gestorben waren. Nun wurde auf Initiative des Grazer Kulturstadtrates Karl-Heinz Herper (S) und von Flughafendirektor Gerhard Widmann eine deutlicher sichtbare Geste von Erinnerungskultur in Form einer Gedenktafel veranlasst.
Galizien war Aufmarsch- und Operationsgebiet gegen Russland, weshalb die k.u.k. Armee danach trachtete, die Zivilbevölkerung zu entfernen. Der Generalverdacht prorussischer Gesinnung und eine "erhöhte Spionagehysterie", wie die Historikerin Nicole-Melanie Goll schreibt, stützten diese Vorgehensweise. So wurden zwischen 20.000 und 30.000 Ruthenen, die Schätzungen gehen hier auseinander, aus dieser ärmsten Provinz des Habsburger Reiches deportiert und ab 1914 im Lagern Graz Thalerhof interniert.
Sanitäre Verhältnisse
Zunächst fehlte jede Infrastruktur: Die Menschen mussten unter freiem Himmel ausharren, wegen der katastrophalen hygienischen und sanitären Verhältnisse starben gleich zu Beginn Hunderte an Cholera und Flecktyphus und wurden vor Ort in Massengräbern bestattet. Erst nach zwei Monaten standen die ersten Baracken zur Verfügung.
Die Namen von 1.767 Opfern sind im Totenbuch der Gemeinde Feldkirchen verzeichnet. Die Gebeine vieler der Deportierten wurden nach Öffnung der Massengräber kurz vor oder kurz nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges in den Feldkirchener Karner gebracht.
Die neue Gedenktafel wurde auf Ukrainisch, Englisch und Deutsch verfasst. Sie trägt einen Auszug aus einem Gedicht von Nazar Hontschar, der 2007-08 Grazer Stadtschreiber war und dabei entdeckt hatte, dass sein Urgroßvater in dem Lager ums Leben gekommen war. Der Dichter aus Lemberg war im Mai 2009 im Alter von 45 Jahren verstorben.
















